Bistum Chur

Bischof Huonder bleibt im Amt

Die Entscheidung von Papst Franziskus, die Amtszeit von Bischof Vitus Huonder um zwei Jahre zu verlängern, überraschte. Einige Stellungnahmen:

Der Synodalrat der Katholischen Kirche im Kanton Zürich und Generalvikar Josef Annen zeigten sich von diesem Entscheid überrascht, hatte doch der päpstliche Nuntius angekündigt, der neue Bischof könne im Laufe des Jahres 2018 gewählt werden. «Die Gründe, die zum Entscheid des Papstes führten, kennen wir nicht. Wir beteiligen uns auch nicht an Spekulationen darüber», heisst es weiter.

Die Schweizer Bischofskonferenz kommentierte das Geschehen lapidar mit einem einzigen Satz: «Wir haben die Entscheidung erfahren und natürlich respektieren wir sie.»

Am schnellsten und heftigsten reagierte die Pfarrei-Initiative: «Die Nachricht, Huonder bleibt noch zwei Jahre, hat uns schockiert», teilte deren Sprecher Willi Anderau mit. Enttäuschung auch auf Seiten der Allianz «Es reicht», die sich mit einer Petition für einen Administrator als Nachfolger von Vitus Huonder eingesetzt hat: «Wir sind sehr enttäuscht, dass der Papst diesen Weg einschlägt und die Option eines Administrators nicht auswählt», sagt Simone Curau-Aepli, welche den Schweizerischen Katholischen Frauenbund in der Allianz vertritt. Das sei ein Signal dafür, dass es zu einer ordentlichen Bischofswahl kommen werde. «Papst Franziskus ist sich offenbar nicht bewusst, was im Bistum Chur vor sich geht.»

Positiv reagiert die katholische Volksbewegung Pro Ecclesia. Diese habe «mit Freude und Dankbarkeit zur Kenntnis genommen, dass Papst Franziskus die Amtsdauer des Bischofs um zwei Jahre verlängert hat», heisst es in der Mitteilung. Pro Ecclesia schätze Vitus Huonder als einen «Bischof, der gelegen oder ungelegen die Lehre der katholischen Kirche unverkürzt verkündet». Für die Weiterführung seines Amts wünsche sie dem Churer Bischof «den besonderen Beistand des Heiligen Geistes».

Die Spekulationen über die Gründe für die Entscheidung des Papstes fallen unterschiedlich aus: Gemäss dem Kapuziner Willi Anderau von der Pfarrei-Initiative liegt Vitus Huonder mit seiner Begründung, die Verlängerung sei ein Vertrauensbeweis, «völlig falsch». Er geht stattdessen davon aus, dass der Papst sich bewusst sei, dass die Nachfolgeregelung im Bistum Chur eine heikle Sache sei. «Mit den Vorschlägen, die zurzeit vorliegen (inklusive jenen von Nuntius Gullickson), konnte man sich nicht anfreunden», ebenso wenig mit dem Vorschlag, einen Administrator einzusetzen. «Also spielt man den Ball zurück. Schaut selber, dass ihr in diesen zwei Jahren zu vernünftigen Lösungen kommt!», mutmasst Anderau.

Auch der Zürcher Synodalratspräsident Benno Schnüriger nennt die Möglichkeit, «dass der Papst sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen will», als möglichen Grund. «Vielleicht will sich der Papst jetzt mehr Zeit nehmen, um genau die Person zu finden, die die Grabenkämpfe im Bistum Chur überwinden könnte», sagte er am 4. Mai gegenüber Schweizer Radio SRF.

«Roma locuta, causa finita… (Rom hat gesprochen, damit ist die Sache entschieden). Ich kenne die Begründung selbst nicht», sagt auch Nuntius Thomas E. Gullickson in einer Twitter-Direktnachricht an kath.ch.

Die Tatsache, dass die Gründe für diese «Spielverlängerung» unbekannt bleiben, ist für Anderau von der Pfarrei-Initiative Grund, sich zu wehren: «Ein weiteres Mal werden wir wie unmündige Kinder behandelt, die nicht zu wissen brauchen, weshalb ihre Vorgesetzten so und nicht anders entschieden haben.» Er versteht die zwei Jahre Verlängerung durchaus auch als «Herausforderung, nicht leiser zu werden.» Schliesslich seien zwei Jahre eine lange Zeit, «vielleicht auch genügend Zeit, den Nuntius in Bern abzulösen!»

«Der Papst wird seine Gründe für die Verlängerung der Amtszeit unseres Bischofs gehabt haben», kommentiert Franz Imhof, Präses des Churer Priesterkreises. Die Vereinigung versteht sich als eine Stimme aus dem Kreis der Seelsorger, die sich hinter Bischof Vitus Huonder stellt.

Wie weiter? Die Allianz «Es reicht» will «dranbleiben», und zwar so: «Als nächsten Schritt werden wir die anderen Bischöfe kontaktieren. Sie sollen dem Nuntius Kandidaten melden, die fähig und willens sind, im Bistum Chur bestehende Gräben aufzufüllen und neue Brücken zu bauen», sagt Curau-Aepli. Im Namen der Katholischen Kirche im Kanton Zürich unterstreicht Kommunikationsbeauftragter Simon Spengler: «Wir erwarten und hoffen, dass die an der Wahl beteiligten Instanzen die Zeit bis Ostern 2019 gut nutzen, um einen geeigneten Nachfolger für den Churer Bischofssitz zu finden.»

Text: kath.ch/bl