Editorial

(Noch) keine Bischofswahl

Der Entscheid, Bischof Vitus Huonder für zwei weitere Jahre im Amt zu belassen, kam überraschend.

Welche Überlegungen genau dahinterstehen, ist schwer zu ergründen. Nicht überrascht vom Entscheid wurde mit
Sicherheit Bischof Vitus selbst. Seine Reaktion lässt darauf schliessen, dass er selbst um eine Verlängerung gebeten hat. Hätte er unmissverständlich auf eine sofortige Annahme des Rücktrittsgesuchs gedrängt, dieser Wunsch wäre ihm mit Sicherheit gewährt worden.

Mir bleiben im Moment eine Befürchtung und eine Hoffnung.

Die Befürchtung, dass der Bischof und seine Gefolgschaft auf Zeit spielen. Dass sie hinter den Kulissen die Strippen ziehen. Und vielleicht sogar darauf hoffen, dass in zwei Jahren der Papst nicht mehr Franziskus heisst.

Meine Hoffnung, dass der Entscheid tatsächlich vom Papst selbst getragen wird und er die zwei Jahre nutzen will, um nachhaltige Lösungen zu finden, die für das Bistum Chur tiefgreifend eine gute Zukunft ermöglichen.

Was wir mit Sicherheit nicht brauchen können, sind zwei weitere Jahre mit Machtgerangel und mutwilligem Gezänk. Dieses Bistum hat schon viel zu viele Jahre darunter gelitten, dass hier die Katholiken von den Katholiken geschieden werden. Und der Abstand zum Totalschaden ist inzwischen beängstigend gering. 

Text: Thomas Binotto