Reportage

Sein Herz verschenken

Die Winterthurer Stiftung Noiva setzt alles in Bewegung, um syrischen Flüchtlingen zu helfen – seit Kurzem mit dem Roten Halbmond Jordanien.

«Vor Kurzem war ich im Bundeshaus», sagt Andi Kunz, Präsident und Gründer der Stiftung Noiva. Er setzt alles in Bewegung, um syrischen Flüchtlingen in Jordanien zu helfen. Die Schweiz soll Militärärzte nach Jordanien schicken, findet er: als Hilfe vor Ort und um die Ernstsituation zu erleben.

«Die Flüchtlinge brauchen dringend medizinische Hilfe», so Kunz. Der jordanische Staat habe sein Engagement stark zurückgefahren. Deshalb baut Noiva ein Netz von Ärzten aus Deutschland und der Schweiz auf, die ab Herbst wochenweise im Spital von Amman arbeiten.

Die 2010 gegründete Stiftung ist klein, aber aktiv. Fünf Mitarbeitende haben eine bezahlte Stelle, alle anderen arbeiten unbezahlt. Auch Andi Kunz. Er verdient sein Geld im Handel mit dem Nahen Osten. Den Gewinn steckt er in die Stiftung, so habe er das mit seiner Familie vereinbart, sagt er. Die junge Nonprofit-Organisation leistet seit 2014 humanitäre Hilfe in Jordanien: Lebensmittelhilfe, Reparaturen der Unterkünfte, ambulante medizinische Versorgung. Seit Februar 2017 arbeitet Noiva mit Jordan Red Crescent (Roter Halbmond Jordanien) zusammen. 

Die Stiftung beruft sich auf die christlichen Werte Nächstenliebe und Vergebung, ist aber mit keiner Kirche verbunden. Das wäre hinderlich, findet Kunz und erzählt von Theater- und Mal-aktionen in Koranschulen.

Spiele und kostenlose kulturelle Anlässe in Mafrak nahe der syrischen Grenze sind Teil von Noivas Versöhnungsarbeit: «So bringen wir jordanische Einheimische und syrische Flüchtlinge zusammen.» Der Winterthurer Geschäftsmann holt auch Geschäftsleute aus verfeindeten Lagern an einen Tisch: Palästinenser, Syrer, Jordanier, Israeli. «Sie wissen, dass sie einander brauchen», sagt Kunz. Er plant, ein Solarkraftwerk in der Region aufzubauen.

Noiva arbeitet mit vier Schweizern vor Ort, rund 60 jordanischen Freiwilligen – und Schweizer Freiwilligen. Diese leisten ein- bis zweiwöchige Einsätze und zahlen die Reise selbst. «Jeder ist ein Profi», sagt Kunz. «Denn wir verschenken unser Herz.»

Noiva finanziert sich durch Privatspenden und verzichtet auf das kostenpflichtige Zewo-Zertifikat. Jeder Spendenfranken solle den Flüchtlingen zugutekommen, findet Kunz.

Text: Regula Pfeifer, freie Journalistin