Alte und neue Schmiedekunst

Messing und Feuer

Die Metallarbeiten für St. Josef Horgen erforderten zusätzliche Schmiede und spezielles Werkzeug.

Die Werkstatt, eine Scheune neben einem Bauernhaus mitten im Säuliamt, überquillt von Werkzeug aller Art.
Das Feuer brennt in der Esse, an den Wänden hängen alte Leuchter mit wunderschönen Blätter-Ornamenten. «Die haben wir alle stilistisch korrekt in traditioneller Schmiedetechnik hergestellt», sagt Moritz Häberling stolz.
Sein Mitarbeiter Urs Benz sei das Genie in Sachen Blätter-Ornamente. Auf dem grossen Tisch bekommt das Lesepult für die Horgener Kirche gerade den letzten Schliff.

Im Büro von Moritz Häberling türmen sich auf dem Pult Zeichnungen, Werkskizzen und Bücher. «Es ist toll, mit dem Architekten Miroslav Šik zusammenzuarbeiten», meint er. «Šik hat verrückte Ideen, diskutiert diese aber mit uns, lässt sich ganz aufs Material und seine Möglichkeiten ein, lässt sich auch von uns inspirieren. Er hat Sinn für das Traditionelle, entwirft daraus aber etwas ganz Neues.»

Kleine Ornamente werden die Eingangstüren zieren.

Kleine Ornamente werden die Eingangstüren zieren. Foto: Christoph Wider, forum

Die speziell gefertigte Messingoberfläche wird sorgfältig gefertigt und poliert.

Die speziell gefertigte Messingoberfläche wird sorgfältig gefertigt und poliert. Foto: Christoph Wider, forum

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Etwas ganz Neues war die Oberflächenstruktur der Metallarbeiten für Horgen. Nach vielen Diskussionen und mehreren Versuchen nahm Moritz Häberling ein zerknittertes Transparentpapier, hat es mit Kunstharz übergossen, das Kunstharz mit Sand abgeformt, um in diese Form dann flüssiges Eisen zu giessen. 

«Erkaltet und hart wurde diese Form zu einem starken Stempel», erklärt der Meister-Schmid. Sie hätten sechs verschiedene Stempel gegossen und diese dann mit der hydraulischen Presse – «die bringt 100 Tonnen Druck!» – auf die Messingplatten gebracht. 
«Wir haben den Stempel nach jedem Abdruck neu in die Presse eingeführt, damit sich das Muster nicht wiederholt und die Oberfläche organisch wie zerknittertes Papier aussieht.»

Um all diese Arbeit bewältigen zu können, hat Häberling zwei Mitarbeiter zusätzlich ins Team geholt: Stefan Seeger, der früher schon hier war, und den jungen Wandergesellen Dennis. Schmiedeleute absolvieren nach ihrer vierjährigen Lehre wie im Mittelalter eine Wanderschaft, die drei Jahre und einen Tag dauert.

«In dieser Zeit legt man seinen Nachnamen ab», erklärt Dennis, «der fremde Schmied» genannt. «Man bleibt immer drei Monate an einem Ort.» In dieser Zeit hat er intensiv für St. Josef gearbeitet: Zwölf Apostelkerzen, Kerzen- und Osterkerzenständer, Kredenz, Tabernakel-Türen, Ewiges Licht sowie Bücherpulte, Türgriffe und kleinere Ornamente wurden gefertigt. 

«Um den Ständer für die Osterkerze herzustellen, mussten wir zuerst extra neues Werkzeug konstruieren», erklärt Seeger. «Mit jedem Auftrag erfinden wir hier das Rad neu.» Dennis schwärmt: «So eine spezielle Arbeit macht man nicht oft. Ich habe viel gelernt!» Dann packt er sorgfältig das Lesepult in mehrere Schichten Papier und stellt es zu den anderen für den Transport bereiten Objekten.

Text: Beatrix Ledergerber-Baumer