«Kirche mit* den Frauen»

Wirkung zeigen

Vor einem Jahr pilgerte unter dem Motto «Für eine Kirche mit* den Frauen» eine Gruppe von Frauen und Männern von St. Gallen nach Rom. Anlässlich des Screenings zum Film «Habemus Feminas» am 2. Mai zog Hildegard Aepli, Initiantin des Pilgerprojekts, Bilanz.

forum: Das Screening zum Film «Habemus Feminas» löste bei den beteiligten Pilgerinnen und Pilgern viele Erinnerungen aus und gab Gelegenheit, Bilanz zu ziehen. Welche Früchte sind für Sie aus dem Projekt entstanden?

Hildegard Aepli: Ganz zuerst einmal der Wiboradatag. Im Bistum St. Gallen wird es in Anlehnung an unser Projekt «Für eine Kirche mit* den Frauen» immer am 2. Mai einen offiziellen Pilgertag geben. Ich freue mich sehr, dass schon bei der ersten Ausgabe genau ein Jahr nach dem Start unseres Pilgerprojektes 120 Personen aus der ganzen Schweiz mitgelaufen sind. Ich bin überzeugt, dass sich dieser Tag bei vielen fest in der Jahresagenda verankern wird.

Das Projekt «Für eine Kirche mit* den Frauen» endete also nicht in Rom.

Nein. Die vergangenen zwölf Monate haben mir klar gezeigt: Das Projekt zeigt erst jetzt seine volle Wirkung. Zum einen entstanden viele tiefe Freundschaften – auch über die Schweiz hinaus –, weil viele auf dem Marsch nach Rom durch die Nähe und Intensität des Pilgerns mit wildfremden Menschen in Kontakt kamen und sich dabei ihre Leben erzählten. Sie erlebten gemeinsam viele Momente der Glaubensfreude und Gemeinschaft und erlebten Kirche auf eine völlig neue und andere Art und Weise. Ich bin überzeugt: Da ist im Innern von vielen Menschen viel passiert. Sie haben nun eine neue Ahnung, was Kirche-Sein heute bedeuten kann und wie sich das konkret anfühlt.

Zudem ist ein Netzwerk von engagierten Frauen entstanden, die unsere Anliegen weitertragen. Nicht nur in ihren Herzen, sondern auch ganz konkret. Im Kloster Fahr findet beispielsweise vom 20. bis am 22. Oktober die Veranstaltung «Singen für eine geschwisterliche Kirche» statt. Ich gehe davon aus, dass es in Pfarreien viele Frauen und Männer gibt, die sich von diesem Pilgerprojekt inspirieren lassen und eigene Projekte starten wollen.

Im Film werden viele Orte, wo die Pilgergruppe Station gemacht hat, gezeigt. Welche Momente sind Ihnen besonders nachhaltig in Erinnerung geblieben?

Schon der Gottesdienst am 2. Mai mit Bischof Markus Büchel in der Klosterkirche St. Gallen kam vielen wie ein Pfingstereignis vor, wie ich nachträglich aus Gesprächen erfuhr. Ich nahm das selber so nicht wahr, weil ich an diesem Tag die Hauptverantwortung hatte für den Ablauf des Tages. Natürlich spürte ich jedoch schon an diesem Tag, dass da gerade etwas Besonderes passiert und etwas aufbricht.

Es ist schwer, besondere Momente dieser Pilgertour herauszuheben. Es gab so viele! Seien es die Gebete in Kapellen der jeweiligen Pilgerherbergen. Das Glas Wein nach einem 23-Kilometer-Marsch mit anderen am Abend oder einzelne Begegnungen mit Menschen am Wegrand. So etwa mit einer Frau, die uns in Italien mit einem silbernen Paillettenkleid entgegenkam. Es stellte sich heraus, dass sie in einem Sex-Lokal arbeitet. Im Gespräch erfuhren wir, in welch auswegloser Situation sie sich befindet. Sie war so berührt, als wir ihr sagten, dass wir für sie beten wollen.

Wie geht die Arbeit im Kernteam weiter?

Neben dem Streaming des Filmes «Habemus Feminas» wird es auch ein Buch über das Pilgerprojekt «Für eine Kirche mit* den Frauen» geben, in dem viele persönliche Erlebnisse und Erkenntnisse von uns einfliessen werden. Dieses Pilgerprojekt ist eine Schatzkiste voller Erinnerungen.

Text: Vera Rüttimann, kath.ch

Angebot laufend

Premiere

Am 26. August kommt es um 11 Uhr im Kino «Arthouse Le Paris» in Zürich zur Premiere des Films «Habemus Feminas» von Silvan Maximilian Hohl. Der Film dokumentiert das Pilgerprojekt «Für eine Kiche mit* den Frauen».

Anmeldung bis Ende Juni bei Hildegard Aepli: h.aepli@sunrise.ch

Eintritt: Fr. 30.–