Etwas andere Ferien

Der Bergwald ruft

Arbeitsferien in freier Natur bietet das Bergwaldprojekt. Ein Tapetenwechsel, der Marianne Roselip begeistert.

Wir treffen uns am Lagerplatz in Winterthur, wo Wagons der Uetlibergbahn von 1923 als Bistro Speis und Trank anbieten. Marianne Roselip mags unkonventionell – auch in den Ferien. Sieben Mal schon hat sie im Sommer oder Herbst als Freiwillige beim Bergwaldprojekt mitgearbeitet. Im Berner Oberland, in Graubünden und im Kanton Uri Bäume gepflanzt, Wanderwege ausgebessert oder bei Lawinenverbauungen mitgeholfen. 

«Es war körperlich anstrengend, klar», sagt die Kindergärtnerin und Katechetin, «aber ich habe mich bei der Arbeit in freier Natur wunderbar erholt. Was gibt es denn Schöneres, als am Ende des Tages das Resultat seiner Arbeit zu sehen und dann müde ins Bett zu sinken?» Zudem, fügt sie schmunzelnd hinzu, seien sich die Verantwortlichen sehr wohl bewusst, dass viele Freiwillige im Alltag nicht körperlich arbeiteten, und würden niemanden überfordern.

Das Bergwaldprojekt wurde 1987 gegründet und ist eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Graubünden. Sie hat den Zweck, die Erhaltung, Pflege und den Schutz des Waldes und der Kulturlandschaft im Berggebiet zu fördern sowie für den Lebensraum Wald zu sensibilisieren. «Die Pflege der Umwelt ist mir sehr wichtig», erklärt Marianne Roselip. «Durch die Zusammenarbeit mit Forstwarten und anderen Fachleuten habe ich viel über das Ökosystem Bergwald gelernt.»

Gearbeitet wird in Gruppen von 10 bis 25 Freiwilligen, gelebt wird einfach. Auch dies Aspekte, die der Winterthurerin zusagen. 

«Der Austausch mit den unterschiedlichsten Menschen ist äusserst anregend, oft entstehen aus diesen Begegnungen auch Freundschaften. Und zu sehen, wie bescheiden Bergbauernfamilien leben und wie zufrieden sie dabei sind, ist beeindruckend. Sich mit kaltem Wasser am Brunnen zu waschen, mag für eine Woche bei schönem Wetter lustig sein. Aber den ganzen Sommer und Herbst hindurch? Hut ab, kann ich da nur sagen.»

In ganz neue Welten einzutauchen, dies ist es, was Marianne Roselip unter geglückten Ferien versteht. Dass sie dabei sinnvolle Arbeit leistet und in Gemeinschaft gute Erlebnisse teilen kann, befriedigt sie zusätzlich. Dieses Jahr wird sie zwar in Deutschland Weintrauben lesen. Aber, sagt sie zum Abschied: «Der nächste Bergwald-Einsatz kommt bestimmt.»

Text: Pia Stadler