Narrenschiff

Programmwechsel

Er geht um. Omnipräsent bis zur Unaushaltsamkeit.

Kriege ich das hin: Ein ganzes Narrenschiff ohne ein einziges Mal seinen Namen zu nennen? – Nein, es geht für einmal nicht um Lord Voldemort. – Es geht um den Mann im Tower. Den Mann mit Frisur. Den Familienkrämer. Den Mann, für den Geschichte ein unbedeutendes Vorgeplänkel zu seiner «Greatest Story Ever Told … By Himself» ist. Den Möchtegern-Mauerbauer, Möchtegern-Grenzenschliesser, Möchtegern-Vertragsbrecher, Chaospraktiker. Den dreifach Bis-dass-der-Tod-uns-scheidet-Ehemann.

Sie wissen, welchen Namen ich nicht nennen will. Und genau hier liegt das Problem. Selbst wenn niemand einen blassen Schimmer hat, was covfefe heisst, so wissen wir doch alle, wer sich da vertippt hat. Wir sind so vollständig tr…isiert, dass wir sogar über sinnfreien Buchstabensalat gierig herfallen. Reichweite ist alles – auf Bedeutung können wir gerne verzichten. Und so beteiligen wir uns alle am Reichweitenwettkampf.

Wenn er zwitschert, dann zwitschern sämtliche Schwärme mit ihm. Die einen zwitschern mit ihm, die andern gegen ihn. Kein Pieps bleibt unkommentiert. Wenn er die Hand gibt, überschlagen sich die Interpreten. Wird sie ihm nicht gegeben, dann auch. Egal wie er sich anstellt: Er ist allgegenwärtig.

Und das ist nur ein weiterer Superlativ, der ihm die Stolzesröte ins Gesicht treibt, denn von da ist der Schritt zum Allmächtigen nicht mehr weit. Omnipotent oder omnipopanz? Pro oder Kontra? Egal, Hauptsache omni!

Die globale Netzgemeinschaft gebärdet sich wie eine globale Karnickelherde, die vor der Überschlange – Voldemort lässt grüssen – hab acht steht. Und ihr genau das gibt, wonach sie lechzt: Aufmerksamkeit vollsatt. Blindwütige Bewunderung. Grenzenlose Verteufelung. Superlativen halt.

Und darin verpackt jubelt man ihm gleich auch noch die hausgemachten eigenen Probleme unter. Denn nichts läuft auf dieser Welt, ohne dass nicht reflexartig sein Name fällt und damit die Erklärung geliefert scheint, weshalb es nicht läuft.

Selbst das Gesicht des Papstes, als er neben ihm stand, selbst dieses so eindeutig missmutige Gesicht wurde endlos gedeutet. Dabei wissen wir doch ganz genau, was Franziskus in diesem Moment durch den Kopf ging: «Programmwechsel, bitte!»

Zeit wäre es, denn in meinen Alpträumen stehe ich auf und sehe die Sonne in Orange aufgehen. Zwick dich und wach endlich auf…

…«Für mich auch einen Programmwechsel, bitte!»

Text: Thomas Binotto