In Serie

Stark aus der Not

Sitcoms können mehr bieten als Witze unter der Gürtellinie und Gelächter ab Band.

Darf man von der weltweit erfolgreichsten Serie, dazu noch einer amerikanischen Sitcom, mehr erwarten als niveaulose Massenware? – Ja, man darf!

Normalerweise drehen sich Sitcoms um eine fest gefügte Freundesgruppe, die solidarisch bis zur Selbstgenügsamkeit ist. Ein innerer Kreis, der sich nicht öffnen kann, weil er zu perfekt funktioniert.

Die Hauptfiguren von «Big Bang Theory» dagegen sind allesamt beziehungsgestörte Nerds, die ihre Intelligenz an Debatten über die Logik von «Indiana Jones» verschwenden. Wenn sie etwas im Überfluss haben, dann sind es Zwangsstörungen, Allergien und Kommunikationsblockaden. Genau aus den gehäuften Defiziten dieser Verlierer entwickelt sich aber ihre Sozialkompetenz. Sie müssen Beziehungen eingehen, weil sie alleine nicht überlebensfähig sind. Nichts ist für sie selbstverständlich. Weder verstanden werden noch verstehen.

In Beziehung zu leben, erfordert ihre permanente Fantasie und Neufindung, weil sie in kein Muster passen. Und so bilden sie in ihrem dauernden Kampf keinen geschlossenen Kreis, sondern eine offene Gemeinschaft, die seit zehn Jahren ständig wächst.

In dieser Bewegung entstehen bei allem Gelächter immer wieder berührende Momente, in denen auch wir defizitäre Liebesbedürftige uns aufgehoben fühlen dürfen.

Text: Thomas Binotto

Angebot laufend

«The Big Bang Theory»

USA seit 2007

(231 Folgen in

10 Staffeln)

ORF 1, PRO 7,

Netflix,

VoD und DVD