Hintersinniges

Mehr Sein als Schein

Die Kirchen sind ihr Geld wert. So lautet das Fazit, das man aus einer breit angelegten Studie ziehen kann, die am 27. Juni der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Der Regierungsrat, die Evangelisch-reformierte Landeskirche und die Römisch-katholische Körperschaft des Kantons Zürich hatten damit gemeinsam das Institut für Politikwissenschaft der Universität Zürich beauftragt.

Ziel der Studie war es, die kirchlichen Tätigkeiten mit gesamtgesellschaftlicher Bedeutung zu erfassen. Die Resultate der Studie sind von grosser Bedeutung, gehören sie doch zu den Grundlagen für die Festlegung der staatlichen Beiträge an die Kirchen für die Jahre 2020 bis 2025.

Ebenfalls in diesen Tagen habe ich mir den Dokumentarfilm «Land ohne Glauben?» von Kai Voigtländer angesehen. Er beschreibt Lage in Ostdeutschland, wo über 80 Prozent der Bevölkerung keiner christlichen Kirche mehr angehört. In diese Dokumentation sollten all jene hineinschauen, welche die Kirchen für eine gesellschaftliche Randerscheinung halten, für ein antiquiertes Überbleibsel oder unnötigen Ballast, und die deren Bedeutungsschwund bereits als Durchbruch einer wahrhaft liberalen Gesellschaft feiern.

In Ostdeutschland sind nämlich nicht nur die Kirchen leer. Auch die Dörfer sind tot. Die Bereitschaft zur Freiwilligenarbeit ist signifikant geringer als im übrigen Deutschland. Und der liberale, weltoffene Geist hat sich auch nicht ganz von selbst dort aus-gebreitet, wo die Kirchen ihren Platz räumen mussten.

Ich bin überzeugt, dass wir alle uns die Augen reiben würden, wenn die Kirchen tatsächlich aus unserem öffentlichen Blickfeld verschwinden würden. Wenn sie in der Politik, im Arbeitsleben, in der Freizeit, in der Kultur, in der Ethik oder auch im Ortsbild keine Rolle mehr spielen würden. Uns würden dann Dinge fehlen, von denen wir keine Ahnung haben, dass auch sie eine innere Verbindung mit den Kirchen haben.

Zu Recht hat deshalb Synodalratspräsident Benno Schnüriger darauf hingewiesen, dass die Bedeutung der Kirchen für unsere Gesellschaft noch grösser sei als in der Studie aufgezeigt. Am deutlichsten werde dies «im Bereich der Migrantenseelsorge, welche sich zwar den katholischen Migrantinnen und Migranten der jeweiligen Ethnie oder Sprachgruppe zuwendet, damit aber einen wesentlichen Beitrag zu deren Fussfassen hier bei uns in Zürich darstellt.»

Dokumentation «Land ohne Glauben?» von Kai Voigtländer

Text: Thomas Binotto