Glaube und Wissenschaft

Nikolaus Kopernikus

Die neue Serie «Glaube & Wissenschaft» eröffnet ein Mann, dessen Denken am Ende des Mittelalters epochal war: Bis heute sprechen wir von einer «kopernikanischen» Wende.

Nikolaus Kopernikus (1473–1543) war Domherr, Politiker, Astronom und Arzt im Fürstbistum Ermland in Preussen – «im hintersten Winkel der Erde», wie er selbst schrieb. 1537 wäre er um ein Haar Bischof geworden.

Während seines Studiums im italienischen Bologna lernte Kopernikus die neoplatonische Idee kennen, die Sonne als Abbild Gottes zu sehen. Dies hat es ihm sicher leichter gemacht, die Sonne später ins Zentrum seines Weltbilds zu setzen. Kopernikus machte selber fast keine astronomischen Messungen. Antike und zeitgenössische Beobachtungen führten ihn aber zur These, dass sich die Erde und alle Planeten um die Sonne drehen (heliozentrisch) und nicht die Sonne samt Planeten um die Erde (geozentrisch). Theologisch konnte er sich diese Bewegungen nur als perfekte Kreisbahnen vorstellen.

Sein Buch «Über die Umschwünge der himmlischen Kreise», in dem er diese These begründete, widmete er Papst Paul III. Von den Astronomen und Theologen seiner Zeit wurde seine Erkenntnis als Hirngespinst belächelt, aber dennoch als Rechenvorschrift gebraucht. Erst später wurde sie als epochal gewürdigt und das heliozentrische Weltbild mit seinem Namen verbunden.

Text: Tobias Grimbacher

Angebot laufend

Tobias Grimbacher, Naturwissenschaftler und Autor, porträtiert in loser Folge Menschen, die beides zugleich waren: Naturforscher und Theologen.

LESETIPP

Angebot laufend

«Kopernikus:

Revolutionär des Himmels»
John Freely.
Klett-Verlag, 2015.