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Rosen für die Madonna

Die portugiesische Muttergottesfigur war Ende Juni ein Wochenende in Zürich-Seebach – zur Freude der philippinischen Katholiken in der Schweiz.

Eine Prozession weiss gekleideter Philippininnen und Philippiner biegt am Freitagnachmittag,
23. Juni, singend auf die ausladende Kirchentreppe von Maria Lourdes. Zuvorderst eine Frau mit Jesus am Kreuz, gefolgt von Personen mit Kerzen und einer Krone auf Kissen. Jemand schwenkt Weihrauch. Mittendrin erscheint die weisse Marienstatue auf einer mit weissen Rosen dekorierten Sänfte, getragen von vier Männern. Rund 60 Zuschauer, meist Frauen im mittleren Alter, winken mit Tüchern und Rosen und singen mit. Dann ziehen alle in die Kirche.

Die Rose als Sinnbild der Liebe und Symbol für die Muttergottes wird vor der Statue der Fatima niedergelegt.

Die Rose als Sinnbild der Liebe und Symbol für die Muttergottes wird vor der Statue der Fatima niedergelegt. Foto: Christoph Wider, forum

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Vor dem Chor wird die Maria von Fatima hingestellt. Der philippinische Missionar der Schweiz, Antonio Enerio, gibt ihr einen Rosenkranz in die Hand, ein anderer Priester befestigt die Krone auf ihrem Haupt. Enerio umrundet die Marien-Statue mit Weihrauch. Die Anwesenden singen, wedeln mit Fächern und filmen mit Handys. «Hilf uns im Vertrauen zu dir zu leben», sagt Enerio auf Englisch vor der Muttergottes kniend. «Hilf uns, all diese Teufel zu bekämpfen, die uns versuchen.»

Nun legen die Gläubigen ihre Rose der Madonna zu Füssen: der eine mit Blick auf Maria, die andere mit einem Rosenkranz in der Hand, die dritte bekreuzigt sich mit einem Knicks. Dazu erklingt der immer wiederkehrende Gesang «Holy Mary, pray for us sinners…» (heilige Maria, bete für uns Sünder). Auch im nahtlos anschliessenden Gottesdienst wird viel gesungen. Bis am Sonntagabend dauert die Marienverehrung in Maria Lourdes, unterbrochen von nächtlichen und Mittagspausen.

«Wir verehren die Muttergottes sehr», sagt Estella Gabutan, philippinische Ordensfrau vom Antoniushaus in Solothurn. «Maria ist wie unsere Mutter», erklärt Rodelia Villanova aus Zürich. Die starke Marienverehrung habe wohl mit der Herrschaft Spaniens über die Philippinen zu tun, mutmasst Antonio Enerio im Gespräch.

Die in Zürich-Seebach verehrte Madonna ist eine von sechs Statuen, die der Papst zur Feier der hundertjährigen Marienerscheinung in Fatima gesegnet hatte – und die nun um die Welt reisen. Am portugiesischen Marienwallfahrtsort Fatima war die Muttergottes drei Hirtenkindern ab dem 13. Mai 1917 mehrmals erschienen. Das 100-Jahr-Jubiläum wird noch bis bis 26. November gefeiert.

Text: Regula Pfeifer, freie Journalistin