Integration

Flüchtlinge drücken die Schulbank

Statt bloss zu warten, können junge Flüchtlinge bei «welcome2school» ihr Schulwissen aufbessern und sich auf eine Lehre vorbereiten.

Im hellen Seminarraum sitzen bunt gemischt Jugendliche aus Afghanistan, Eritrea, Syrien, Guinea, dem Irak oder Somalia. Die Stimmung ist fröhlich und interessiert. Heute kommen sie in den Genuss von Staatskunde, Geografie und anderem «Kulturwissen», wie Schulmitbegründer und -leiter Jan Capol sagt. 

«Sie lernen, eine Karte zu lesen und sich anhand der Strassen oder markanter Gebäude zu orientieren», erklärt Capol. Das Lesen der Strassennamen führt zu Verwirrung und Erheiterung, die Jugendlichen helfen einander und freuen sich auf den bevorstehenden Härtetest, eine Schnitzeljagd in der Stadt Zürich.

Für junge Flüchtlinge im Asylverfahren gibt es seit eineinhalb Jahren in den Räumlichkeiten der Liebfrauenpfarrei eine richtige Schule

Für junge Flüchtlinge im Asylverfahren gibt es seit eineinhalb Jahren in den Räumlichkeiten der Liebfrauenpfarrei eine richtige Schule Foto: Christoph Wider, forum

Viele freiwillige Lehrerinnen und Lehrer unterrichten die jungen Flüchtlinge, damit sie die Zeit des Wartens auf den Asylentscheid sinnvoll nutzen können.

Viele freiwillige Lehrerinnen und Lehrer unterrichten die jungen Flüchtlinge, damit sie die Zeit des Wartens auf den Asylentscheid sinnvoll nutzen können. Foto: Christoph Wider, forum

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Für junge Flüchtlinge im Asylverfahren gibt es seit eineinhalb Jahren in den Räumlichkeiten der Liebfrauenpfarrei eine richtige Schule – nicht nur Deutschkurse. Während Kinder in die öffentliche Schule aufgenommen werden, können Jugendliche ab 16 Jahren in dieser Zeit nichts tun als warten. Dem wirkt «welcome2school» entgegen. 

«Wir unterrichten den Stoff der Volksschule in drei Klassen», sagt Capol: «Für solche, die noch gar nie in einer Schule waren; für jene mit etwas Schulerfahrung, und für bildungsstarke Jugendliche.» Bei einem positiven Asylentscheid sind die Jungen im besten Fall fähig, eine Lehre anzutreten. «Zwei unserer Jugendlichen können sich sogar mithilfe des ‹Chagall-Programms› beim Gymnasium Unterstrass auf die Gymi-Prüfung vorbereiten!», freut sich Capol.

Auf der Suche nach Räumlichkeiten hatten sich Capol und Mitbegründerin Kathrin Jaggi an die Liebfrauenpfarrei gewendet. «Pfarrer Karber und sein Team sowie die Kirchenpflege waren sofort dafür», sagt Pfarrei-Sozialarbeiterin Anthoula Kazantzidou. Welcome2school bekommt alle Räumlichkeiten gratis – obwohl diese vorher gegen Geld vermietet wurden. 

«Das gehört zur sozialen Aufgabe der Kirche», sagt Kazantzidou. «Zudem belebt es das Kirchgemeindehaus. An unserem Mittagstisch am Donnerstag sind nun immer ein paar junge Flüchtlinge dabei. Sie sind sehr willkommen!» Die Pfarrei organisiert und finanziert zudem mithilfe von Freiwilligen einen Schwimmkurs für die Flüchtlinge und andere Veranstaltungen.

Dian Edathinakam, Schülerin im nahe gelegene Katholischen Gymnasium, hat ihre Erfahrung als Co-Lehrerin bei «welcome2school» in ihrer Maturarbeit über die Integration von Flüchtlingen verarbeitet. Das hat sie so begeistert, dass sie dem Projekt auch nach ihrer Matura treu bleiben will.

Text: Beatrix Ledergerber-Baumer