Migranten-Seelsorge

Glaube aus der Heimat

Den Glauben hat Sergio Trivellin von seinen Eltern vermittelt bekommen. Da gehört der Migrationshintergrund dazu.

Rund 200 katholische Italiener sind am 10. Juni zu Ehren des Heiligen Antonius durch die Strassen von Egg bei Zürich gezogen. Es sind Mitglieder der italienischen Mission Oberland-Glatttal, die sich an der jährlich wiederkehrenden Prozession beteiligen. 

«Die Bewohner von Egg haben uns zugeschaut und – so meine ich – auch mitgebetet», sagt der 52-jährige Sergio Trivellin beim späteren Gespräch in der Liebfrauenkirche Zürich. Hier haben er und seine Frau Maria 2009 geheiratet.

«Antonius ist Migration hoch drei», erklärt Trivellin das Interesse am Kirchenvater Antonius. Denn der Heilige sei von Portugal aus, bis zu seinem Tod in Padua (Italien), durch verschiedene Länder migriert. Egg besitzt mit der Antoniuskirche eine ihm geweihte Wallfahrtskirche. 

Der Heilige bedeutet Trivellin zwar viel. «Mein Glaubenszentrum aber ist Jesus Christus, an ihn richte ich meine Fürbitten», sagt der in der Schweiz geborene und aufgewachsene Italiener.

Die Wallfahrt nach Egg hat für die italienische Mission auch eine soziale Bedeutung. Sie bringe alle Italiener zusammen, unabhängig von Herkunft, Alter, Mentalität und Bildung, welche sich laut Trivellin teils stark unterscheiden. «An diesem Tag aber ist unser gemeinsamer Nenner der Heilige Antonius.»

Der kaufmännische Angestellte beim Kanton Zürich spricht bestens Zürichdeutsch. Nur bei kirchlichen Begriffen zögert er, was er mit seinem jahrelangen Engagement in der italienischen Mission erklärt. Dort ist er Präsident des Missionsrats, Lektor und Kommunionspender. «Der Glaube ist eine intime Sache», begründet er sein Mitwirken. 

Den Bezug zur Religion habe ihm seine Familie vermittelt, dieser sei stark mit seinem Migrationshintergrund verbunden. Aufgrund seines Glaubens betrachtet Trivellin sein Leben als Geschenk.

Mit seiner Frau und den beiden Töchtern besucht Trivellin sowohl die Anlässe der Mission als auch jene seiner Pfarrei. Und er vertritt als einer von drei Synodalen die Kirchgemeinde Uster im römisch-katholischen Kirchenparlament des Kantons. Zudem ist er in der Fachkommission Migrantenseelsorge aktiv. 

«Meine Generation wirkt als Brückenbauer», sagt er und plädiert für ein tolerantes Miteinander von Gläubigen in den Pfarreien und Missionen.

Text: Regula Pfeifer freie Journalistin