Interview

Ristretto mit Franziska Driessen

Franziska Driessen leitet als Synodalrätin das Ressort Migrantenseelsorge und ist Vizepräsidentin des Synodalrates. Die gelernte Hauswirtschaftslehrerin wohnt in Opfikon und ist seit 2011 im Synodalrat.

Sind Migranten bessere Katholiken?
Diese Menschen sind aus verschiedenen Gründen ausgewandert. Sie finden in den Missionen, wo in ihrer Sprache Gottesdienst gefeiert wird, eine religiöse Heimat. Manchmal entwickeln sie in der Fremde einen stärkeren Glauben. Sie haben vielleicht einen direkteren Zugang zum Glauben, weil dieser für sie durchs «In-der-Fremde-Sein» eine andere Gewichtung hat.

Missionen als Konkurrenz der Ortskirche?
Nein, keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung. Aber es braucht Missionare und Pfarrei-Verantwortliche, die zusammenarbeiten wollen und können. Gute Erfahrungen machen wir mit dem Praktikum, das neue Missionare in einer Ortspfarrei machen, bevor sie in der Migrantengemeinde den Dienst antreten. Als Kirche sind wir dazu verpflichtet, die Seelsorge für Menschen in der Fremde in ihrer Sprache sicherzustellen.

Können wir voneinander lernen?
Ich kann in Zürich eine Reise machen von den Philippinen über China, Italien, Kroatien … ich erlebe in den Gottesdiensten der Migrantengemeinden eine andere Welt. Es ist eine Bereicherung für uns Schweizer Katholiken. Ich werde grosszügiger und werte weniger.

Also ist Reisen überflüssig?
Das nicht, ich reise gerne. Doch wenn keine Zeit zum Reisen ist, kann man sich beim Besuch unserer Missionen die Welt nach Zürich holen. Ich bin auch in einem Kochkurs für Flüchtlinge enga-
giert, hier erleben wir die ganze Welt.

Text: Beatrix Ledergerber-Baumer