Leben in Beziehung

Was bedeutet es mir, Grossvater zu sein?

Giovanni Schäfli geniesst es, seine Enkelkinder ein Stück des Wegs zu begleiten.

Unsere sieben Enkel wohnen glücklicherweise alle in der Nähe. Der Jüngste wird bald vier Jahre alt und der Älteste 27. Das ist ein grosser Altersunterschied. Das heisst aber auch, dass wir für alle Enkel zum Kennenlernen genug Zeit hatten, soweit sie das zuliessen und auch wollten.

Denn unsere Enkel sind sehr unterschiedlich: von vertrauensvoll bis eher verschlossen. So, wie wir Menschen halt verschieden veranlagt sind.

Der grosse Unterschied, wenn ich die Beziehung zu unseren Kindern und die Beziehung zu unseren Enkeln vergleiche, liegt darin, dass wir als Grosseltern nicht erziehen müssen. Wir können unsere Enkel verwöhnen und haben viel mehr Zeit zum Trösten und Erklären. – Und wir können sie ihren Eltern wieder zurückgeben.

Nach unserer Pensionierung gab es jede Woche einen Grosselterntag. Am Vormittag begleitete ich eine Enkelin in den Kindergarten. Anschliessend nahm ich mit der anderen Enkelin am MuKi-Turnen teil. In der Bibliothek schauten wir dann gemeinsam Kinderbücher an. Und auf Wunsch erzählte ich eine Geschichte daraus. Am Nachmittag übernahm dann jeweils meine Frau die Aufsicht.

Mit dem Kindergarten- und Schulbeginn veränderte sich diese Situation grundlegend. Für die Kinder öffnet sich ein weiteres Beziehungsnetz. Neue «Gschpänli» waren da und übernahmen eine wichtige Rolle auf dem Weg zum Erwachsenenleben. Mit dem Heranwachsen der Kinder verblasst deshalb die Bedeutung der Grosseltern. Das hat dann von uns erneut Loslassen verlangt.

Diese Erfahrung hatten wir ja bei den eigenen Kindern ebenfalls gemacht. Und alle, die diese kleinen Schritte mit ihnen bis hin zum Erwachsenwerden miterlebt haben, wissen, wovon ich spreche. Damit geht nun für meine Frau und mich eine Ära zu Ende. Wir haben sie ganz bewusst genossen. Es war schön, die Enkelkinder ein Stück weit begleiten zu dürfen und dafür so viel Vertrauen und Zuneigung erfahren zu haben.

Und immer noch klingt das herzhafte Kinderlachen nach. Das Jauchzen auf einer Rutschbahn. Der gewagte Sprung von einer Mauer in meine Arme. Das Trösten und Trocknen von Tränen. Nichts, was diese Welt aus den Angeln hebt, aber es traf mitten ins Herz.

Der französische Chansonnier Yves Duteil hat ein wunderbares Lied über den Umgang mit Kindern geschrieben: «Prendre un enfant par la main». Die Melodie und der Text drücken die Empfindungen im Umgang mit einem Kind treffender aus, als ich es vermag. Für mich ist und bleibt es ein einzigartiges Erlebnis, Kinder und Grosskinder ein Stück des Wegs bei der Hand nehmen zu dürfen.

Text: Giovanni Schäfli

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Giovanni Schäfli ist mehrfacher Grossvater. Er war 40 Jahre Pfarreirat in St. Ulrich, Winterthur.

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