Editorial

Wirklich smart?

Ist unser Umgang mit Smartphone und Co. wirklich so smart, wie wir glauben? Oder schränkt unsere Fixierung auf die geliebten technischen Begleiter unsere Offenheit für Begegnungen ein?

Früher war auf Reisen vieles komplizierter. Doch die Räume für inspirierende Kontakte und spontanen Gedankenaustausch sind heute kleiner geworden.

Gerne erinnere ich mich an Bahnfahrten, wo sich im Abteil zwischen wildfremden Personen ein spannendes Gespräch entwickelte. Und an die Abende in kleinen Hotels, wo mit anderen Globetrottern über Reiserouten und kulturelle Unterschiede diskutiert wurde. Inzwischen sind die meisten Menschen vorwiegend auf ihr Smartphone, Tablet oder Laptop konzentriert. Auf der Zugfahrt nach Feierabend wird mit der Freundin telefoniert oder das Geschäftsprotokoll fertig geschrieben. In den Ferien werden Fotos auf Facebook raufgeladen. Oder es wird mit der Familie zu Hause geskypt.
Für eine Live-Unterhaltung sind nur noch wenige bereit. Eigentlich sind die meisten gleichzeitig auch anderswo.

Auch ich lebe nicht abstinent von digitalen Geräten. Ich schätze und geniesse die Vorzüge der modernen Kommunikationsmittel. Sie massvoll einzusetzen, ist aber eine Herausforderung.
Im Postfach könnte ein Mail auf mich warten, mein Newshunger will gestillt sein, und wenn ich in die Ferne schweife, wollen meine Freunde daheim wissen, wie es mir geht.

Doch die Möglichkeit, ständig auf verschiedenen Kanälen zu kommunizieren und zu konsumieren, macht die digitale Welt zur Konkurrenz für unmittelbare Erlebnisse. Dabei sind doch gerade handfeste Erlebnisse der Reiz am Unterwegssein. Wer mit Selfies mehr beschäftigt ist als mit seinem Gegenüber, dem entgeht viel vom Zauber des Reisens.

Höchste Zeit, dass ich meine Geräte wieder mal ausschalte – und den Sommer vermehrt offline geniesse.

Text: Pia Stadler