Unterstützung bei Arbeitslosigkeit

Coaching nach Mass

Die kirchliche Fachstelle bei Arbeitslosigkeit DFA in Winterthur unterstützt seit diesem Jahr ältere Arbeitssuchende spezifisch.

Die DFA nimmt sich mit dem «Projekt 50plus» dem Problem an, dass auch gut qualifizierte Arbeitnehmende jenseits der 50 nach einer Kündigung Schwierigkeiten haben, wieder in den ersten Arbeitsmarkt zu finden. «Eine beachtliche und noch wachsende Anzahl Betroffener, die keine staatliche Hilfe bei ihrer Arbeitssuche mehr erhalten, fallen so durchs Netz. Wir aber können sie eng und individuell begleiten», erklärt Jobcoach Urs Zuberbühler.  

Zum Beispiel Luis L. aus Portugal. Der 54-jährige Chauffeur ist seit 2014 ohne feste Anstellung. Einzig durch mehrmonatige Einsätze in Programmen des RAV und der Sozialhilfe war er noch beschäftigt. Als Bauarbeiter hatte er vor 30-Jahren in der Schweiz Fuss gefasst. Anfangs der 90er Jahre fand er eine Anstellung als Mitarbeiter Möbeltransport und konnte die Lastwagenprüfung absolvieren. 2007 bis 2013 war er als Chauffeur, Möbeltransporteur und Montagearbeiter angestellt. Durch eine Neustrukturierung der Stelle verlor er seinen Arbeitsplatz. 

«Im ‹Projekt 50plus› lernte Luis L., seine Verletzungen durch den Stellenverlust und die häufigen Absagen seiner Bewerbungen zu verarbeiten und sein Selbstwertgefühl wieder aufzubauen. Unsere Klienten haben durch ihre Geschichte einen grossen Rucksack mitzutragen», sagt Zuberbühler. 

Anschliessend wurde mit Luis L. ein Stellenprofil erarbeitet. Angesprochen wurden Arbeitsmarkthemmnisse – vor allem aber auch seine Kompetenzen. Mit überarbeiteten Bewerbungsunterlagen wird Luis L. nun aktiv bei der Stellensuche im Internet und in DFA-Netzwerken unterstützt. Gezielt sucht Zuberbühler auch das Gespräch mit lokalen Arbeitgebenden. Und er bereitet seinen Klienten auf Vorstellungsgespräche vor. 

Nach einer Krise, bei der Luis L. die Beratung abbrechen wollte, ist der Portugiese nach intensiven Gesprächen wieder mit Herzblut dabei. Zum Glück: «Hohe Motivation und Leistungsbereitschaft sind Voraussetzung zur Teilnahme bei ‹50plus›», betont Zuberbühler. Davon abgesehen, steht die Beratung allen über 50-jährigen unabhängig, von Herkunft, Bildung und Konfession, offen. 

Luis L. steht in der Zwischenzeit kurz vor dem Antritt einer neuen Stelle. Sein Coach wird auch über den Stellenantritt hinaus noch begleiten.

Text: Pia Stadler