Editorial

Das gute alte Brettspiel

Gesellschaftsspiele, nicht etwa Computer-Games, sind im Aufwind.

 

Ich staunte nicht schlecht, als vor ein paar Jahren unser damals 18-jähriger Sohn erklärte, er komme wohl etwas später heim, er sei mit seinen Kollegen an einem spannenden Brettspiel, von dem er nicht wegkönne. Später schenkte er uns zu Weihnachten eines dieser rasanten Kartenspiele, das von uns einigen Grips abverlangte, bis wir es auch nur annähernd spielen konnten. Und das uns einen amüsanten Spieleabend mit erwachsenen Kindern bescherte – was mit den kleinen Kindern nie möglich war, wegen Eifersüchteleien, Sticheleien oder Unlust des einen oder andern.   

Eine Schlagzeile dieses Sommers zeigt mir: Es handelt sich hier nicht nur um eine Beobachtung im Umfeld unserer Jungen, sondern ist eine Tatsache: Seit 2015 verzeichnet die Spiele-Branche eine Umsatzsteigerung von insgesamt 20 Prozent. Natürlich auch deswegen, weil neue, pfiffige Spiele schön aufbereitet daherkommen und altehrwürdige wie Domino mit neuen Ideen aufgepeppt werden: Wie «Kingdomino», Spiel des Jahres 2017. 

Ganz offensichtlich besteht ein Bedürfnis nach echten Kontakten mit anderen Menschen, wo man nach verlässlichen Regeln, aber ebenso mit Kreativität, Intuition, Cleverness und viel Spass Aufgaben bewältigt, Ziele erreicht, gewinnt oder verliert – manchmal gegen, manchmal gemeinsam mit den Mitspielenden. Dabei lernt man diese mitunter von ganz neuen Seiten kennen, es kommt Begeisterung und Leidenschaft auf, die grauen Hirnwindungen werden ganz schön gefordert – das alles sind angenehme Nebenerscheinungen dieser neuen alten Freizeitbeschäftigung.

Ein kleines Detail ist doch nicht mehr ganz so wie früher. Wer Mitspielerinnen und Mitspieler sucht oder ein Lokal betreibt oder finden will, das Gesellschaftsspiele anbietet – der kann sich über die App «Twiddle – let’s play!» vernetzen. Das digitale Zeitalter hat ja durchaus auch seine Vorteile.

Viel Spass beim Spielen

Text: Pia Stadler