Panorama

Heimat hat viele Gesichter

«Panorama» weitet unseren Begriff von «Heimat»; lenkt den Blick auf die humanitäre Katastrophe im Jemen; verweist auf Hintergründe zum Missbrauchs-Skandal bei den Regensburger Domspatzen; lädt dazu ein, einen alten Pilgerweg neu zu entdecken und entdeckt im Hafen von Malta das Komplexe im Kleinen.

Heimat hat viele Gesichter

Jasmin El-Sonbati beschreibt im Leitartikel zur interreligiösen Zeitung «zvisite» in schlichter Knappheit ihre eigene Lebensgeschichte als ägyptische Seconda. Mit diesem sehr persönlichen Zugang macht sie anschaulich, dass Heimat kein Zustand, sondern ein andauernder Prozess ist.

Damit ist der Rahmen für acht «Heimatgeschichten» gesetzt: Die Autorin Meral Kureyshi kann mit dem Begriff nicht viel anfangen – und beschreibt dann doch genau, wo Heimat für die meisten von uns ist: Dort, wo wir andere Menschen lieben. Das stimmt auch für Nawwal Mokhles, die aus Damaskus fliehen musste, und für Sandra Gerzner, die als Jenische im Wohnwagen durch die Schweiz reist.

Jonathan Kreutner hat als Jude gelernt, Kosmopolit zu sein. Die Bauernfamilie Mäder findet Heimat in der Natur, die sie bestellt. Für Pfarrer Tillmann Luther war immer schon die Kirche Heimat. Für Kapila Gunasekera bleibt sie ein Stückwerk. Und der 19-jährige Eritreer Yared Daniel fühlt sich dort etwas mehr zuhause, wo er frei ist.

www.zvisite.ch

Ein Land zerstört sich selbst

Der IKRK-Präsident Peter Maurer hat den Jemen besucht. Im Interview mit der «NZZ» schildert er die dramatische Lage in diesem vom Bürgerkrieg zerrütteten Land, in dem die Hälfte der 27 Millionen Einwohner an Nahrungsmittel- und Wasserknappheit sowie fehlender medizinischer Versorgung leiden. Er beschreibt, wie Machtkämpfe auf dem Buckel der Zivilbevölkerung ausgetragen werden – und wie das IKRK versucht, die Kriegsparteien zu Verhaltensänderungen zu bewegen.

In einem Gespräch mit «kath.ch» bestätigt Bischof Paul Hinder die Analyse Maurers und macht seinerseits deutlich, wie sehr es ihn als Bischof schmerzt, dass er den isolierten und bedrohten Christen im Jemen kaum konkrete Hilfe anbieten kann.

https://www.nzz.ch/international/der-ikrk-praesident-in-jemen-der-konflikt-hinterlaesst-tiefe-wunden-ld.1308438

https://www.kath.ch/newsd/es-ist-wichtig-dass-der-konflikt-im-jemen-nicht-vergessen-geht/

Nicht bloss das Versagen Einzelner

Während Jahrzehnten wurden bei den Regensburger Domspatzen Kinder Opfer von körperlicher Gewalt und sexuellem Missbrauch. Dahinter steckt nicht bloss das Versagen Einzelner, sondern auch das der Kirchenleitung, welche die Opfer durch Verharmlosung und Vertuschung mitgequält hat. Der Hintergrundbericht bei Spiegel Online ist nüchtern – und gerade deshalb erschütternd. Eine Erschütterung, die auch in den Kommentaren von Klaus Mertes, Sigrid Grabmeier und Hans Zollner in der «Zeit» zum Ausdruck kommt.

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/regensburger-domspatzen-warum-aufklaerung-in-der-kirche-so-schwierig-ist-a-1159019.html

http://www.zeit.de/2017/30/regensburger-domspatzen-misshandlung-katholische-kirche-aufklaerung

Abseits der Massen

Der Historiker Christian Schüle erklärt im Gespräch mit «Swissinfo», weshalb er sich für die Via Francigena einsetzt, den Pilgerweg von Canterbury nach Rom, auf dem erfahrbar werde, wie sehr die Schweiz Teil der europäischen Geschichte sei. Und das ganz ohne den grossen Menschenandrang.

http://www.swissinfo.ch/ger/via-francigena_die-pilgerroute-im-schatten-des-jakobswegs/43356376

Im Hafen kommt alles zusammen

Eigentlich hatte Eva Hoffmann vor, für die «Süddeutsche» von einer Seenotrettungsmission zu berichten. Dann aber strandete sie im Hafen von Malta. Und erlebte dort die Absurdität der Flüchtlingskrise: «Im überschaubaren Hafenbecken von Bezzina liegen wie in einem Schulbuch all die Akteure, die sich da draussen nichts mehr zu sagen haben, friedlich nebeneinander.»

http://www.jetzt.de/politik/fluechtlingssituation-im-hafen-von-malta

Text: Thomas Binotto