Reportage

Über das Sterben reden

Statt schweigen oder jammern mit unbekannten Menschen bei Kaffee und Kuchen über Leben und Tod sprechen – das ist das Konzept des «Café mortel».

Die letzten Besucher drängen in die Fischli-Stube im Stadtzürcher Alterszentrum Klus Park. Vierzehn Augenpaare richten sich nun aufmerksam auf Franz Ackermann, als dieser das Gesprächs-café «Reden über Leben und Sterben» eröffnet. Es stösst auf wachsenden Zuspruch. Alle beschäftigt das Thema «Sterben» auf irgendeine Art und Weise.

Monika Pfenninger, wie Franz Ackermann vom anthroposophischen «Forum für Sterbekultur», fragt nach Themen. Kurzes Schweigen. «Was macht mir Angst, wenn ich ans Sterben denke?», will jemand wissen. Eine Frau, die selbst Sterbebegleitungen macht, fragt nach der anthroposophischen Sicht zum Thema Sterben. Sie selbst fühlt sich dem Buddhismus verbunden. «Wir wissen ja nicht, was uns erwartet!», sagt eine Witwe. «Der Körper stirbt, die Seele nicht», entgegnet eine Frau, die vor zwei Jahren einen Schlaganfall erlitten hatte.

Anstoss für das Gesprächscafé in Zürich gab der Welt-Palliative-Care-Tag im Herbst 2015. Träger der Veranstaltung sind heute «Onko Plus», das «Forum für Sterbekultur» sowie das «Friedhof Forum» der Stadt Zürich. Neben Zürich gibt es auch in Basel ein solches Gesprächscafé. «Sterben ist kein Tabuthema. Und wenn man darüber redet, kann man auch besser sterben – und besser leben», ist Ackermann überzeugt. Ganz auf den Spuren von Bernard Crettaz, der vor mehr als zehn Jahren die sogenannten «Cafés mortels» initiiert hatte. Der Walliser Soziologe und Ethnologe wollte mit seiner Idee dem «Sterben» wieder einen Platz in der Öffentlichkeit verschaffen.

Für Monika Pfenninger ist die Moderation stets eine grosse Herausforderung. Da man nie genau weiss, was auf einen zukommt. «Uns ist es wichtig, den Menschen eine Stimme und Raum zu geben. Wir wollen keine Vorträge halten», betont sie. Es soll Platz geben für Sinnfragen, aber auch für praktische Anliegen.

Die eineinhalb Stunden verfliegen im Nu. Franz Ackermann beendet behutsam die Gesprächsrunde. Beschwingt verlassen die Gäste die Fischli-Stube. Das Leitungsteam macht sich auch schon Gedanken über die Lancierung eines weiteren Gesprächscafés.


Text: Stefan Müller, freier Journalist