Reportage

Wenn das Klima durcheinander gerät

In Bangladesch wird das Wetter zunehmend unberechenbar. Die Kleinbauern trifft dies am härtesten. Eine Reportage zum Caritas-Sonntag vom 27. August.

«Was wird aus euch, wenn ich nicht mehr bin?» Subodhjam Khalku jätet Unkraut in seinem Gemüsegarten und schaut seine älteste Tochter Shati an. Es ist die Sorge eines jeden Vaters um die Zukunft seiner Kinder. Doch für den Kleinbauern hat diese Frage besondere Dringlichkeit. Denn seine Familie droht ihre Lebensgrundlage zu verlieren.

Die Krux mit dem Wasser

Subodhjam lebt mit seiner achtköpfigen Familie im Dorf Bosnoil in Chapai Nawabganj, dem westlichsten Distrikt von Bangladesch, einen Katzensprung von der indischen Grenze entfernt. In dieser ländlichen Gegend, einem Flachland endloser Felder, sinkt der Grundwasserspiegel immer weiter.

«Vor zwanzig Jahren waren unsere Teiche meist voll. Wir hatten eher zu viel als zu wenig Wasser», sagt Subodhjam. Heute sind manche Teiche halbleer. Die Brunnen gehen nicht mehr tief genug, um das Grundwasser zu erreichen. Und den staubigen, braunen Boden hinter Subodhjams Haus durchziehen während der Trockenzeit tiefe Risse.

Mitschuldig am Wassermangel ist ein unberechenbarer, mächtiger Feind: der Klimawandel, verursacht vor allem durch die Industrieländer. Und er ist auch daran beteiligt, dass das Wetter je länger, je mehr macht, was es will. 

Die Bauern können sich nicht mehr auf ihren bewährten Anbaurhythmus verlassen: Der Regen kommt nicht mehr zuverlässig. «Es ist alles durcheinandergeraten», sagt Sukleash George Costa, der seit zwanzig Jahren für Caritas Bangladesch arbeitet. «Entweder gibt es zu viel Wasser, zu wenig Wasser oder das Wasser kommt zum falschen Zeitpunkt.»

Familie Khalku gehört zu den Ärmsten der Landbevölkerung in einem der ärmsten Länder Asiens. Subodhjam und sein Sohn Delwar schuften jeden Tag auf den Reis- und Weizenfeldern eines Grossgrundbesitzers. Als Lohn erhalten sie knapp ein Fünftel der Ernte. Das reicht gerade zum Überleben.

Doch eigentlich besitzt die Familie schon lange ein kleines Stück Land. Und sie hat auch die Möglichkeit, Land zu pachten. Diese wertvollen Einnahmequellen lagen jedoch lange brach. Denn Subodhjam wusste nicht, wie er diese Felder mit dem vorhandenen Wasser und unter den bestehenden Wetterbedingungen bestellen und was er anpflanzen kann. 

Heute wachsen dort Knoblauch, Tomaten, Kürbisse, verschiedene Blattgemüse, Chili und weitere Gewürze. So kann sich die Familie dank der Vielfalt der Produkte gesünder ernähren und ihr Einkommen verbessern.

Um die Wasserversorgung sicherzustellen, hat Caritas mit der Dorfgemeinschaft einen tiefen Brunnen mit Tauchpumpe gebaut. Eine Solarpumpe sorgt dafür, dass die Bauern Wasser aus dem Teich pumpen können, ohne dass sie auf die teuren Dieselpumpen angewiesen sind.

Wertvolles Wissen

Dass er das Land jetzt bestellen kann, hat Subodhjam auch seinen beiden älteren Töchtern zu verdanken. Shati und Bithi besuchen die von Caritas unterstützte Bosnoil Junior Girls’ High School. Der Umgang mit Wasser ist ein wichtiger Teil ihres Unterrichts.

Die Mädchen lernen, wie sie das kostbare Element im Alltag möglichst sparsam und sinnvoll nutzen. Den Schulgarten bepflanzen sie mit verschiedenen einfachen und wassersparenden Bewässerungsmethoden. Und sie lernen, wie wichtig Wasser auch für Hygiene und Sauberkeit sind, und
wie sie sich vor Krankheiten schützen können.

«Meine Töchter kamen abends nach Hause und erklärten mir, wie wir Gemüse anbauen können.» Subodhjam lacht sein ansteckendes Lachen. Auch er selbst erhielt von Caritas Training
zu wassersparenden Anbaumethoden: «Meine Familie und ich, wir lernen laufend dazu. Wir sind auf einem guten Weg.»

Flucht vor dem Klimawandel - Dokumentation auf «Phoenix»

Text: Anna Haselbach, Caritas Schweiz