Glaube & Wissenschaft

Blaise Pascal

Für den Franzosen Blaise Pascal führten Mathematik und Theologie zum gleichen Ziel und Ursprung.

Blaise Pascal wird 1623 in Clermont-Ferrand geboren. Die meiste Zeit lebt er in Paris und stirbt dort mit 39 Jahren. Mathematik und Physik interessieren den Autodidakten von früh auf. Er erfindet die Rechenmaschine «Pascaline», korrespondiert mit Fermat und formuliert als Erster das Beweisprinzip der vollständigen Induktion.

Am Puy de Dôme im Zentralmassiv lässt er Messungen zur Höhenabhängigkeit des Luftdrucks durchführen. Auch seine Überlegungen zum Vakuum kann er experimentell untermauern. Darum ist die physikalische Einheit des Drucks heute nach ihm benannt.

Pascal ist Anhänger der streng katholischen Janseniten und deren ausgleichender Gnadenlehre. In einer mystischen Erfahrung, die sein weiteres Denken bestimmt, erlebt er Gott als den Gott biblischer Geschichte, nicht als Gott philosophischer Beweise. Sein anthropologisches Hauptwerk «Gedanken über die Religion und über einige andere Themen» bleibt unvollendet.

Mathematisches Argumentieren gilt für Pascal auch theologisch, wie die Pascalsche Wette* zeigt: Es ist logisch sinnvoll, an Gott zu glauben und auf Gott zu setzen – obwohl seine Existenz nicht beweisbar ist. Viele Religionskritiker haben sich an dieser Wette abgearbeitet und ihre Schwachstellen aufgezeigt; dennoch bleibt sie ein unschätzbarer Beitrag zur Ergründung der Gottesfrage. Abschliessend etwas Praktisches: In Paris verkehren 1662 die Fünfgroschenkutschen, der erste öffentliche Nahverkehr der Welt. Als Ideen- und Geldgeber ist Blaise Pascal an Bord.

 

Tobias Grimbacher Naturwissenschaftler und Autor, porträtiert in loser Folge Menschen, die beides zugleich waren: Naturforscher und Theologen.

Blaise Pascal im Porträt von BR alpha

Text: Tobias Grimbacher

Pascalsche Wette

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Pascal schildert seine Überlegungen zur Gottesfrage, indem er sie mit dem Werfen einer Münze vergleicht. Ich kann auf Kopf (Gott) oder Zahl (kein Gott) setzen und erhalte – mathematisch gesprochen – verschiedene Gewinn-Wahrscheinlichkeiten und Erwartungswerte:

Als Mensch kann ich mich für oder gegen den Glauben an Gott entscheiden. Angenommen, ich glaube an Gott, und es gibt ihn, so gewinne ich das Himmelreich; gibt es ihn nicht: Pech gehabt. Angenommen, ich glaube nicht und es gibt ihn nicht, habe ich nichts gewonnen, gibt es ihn aber, lande ich wohl in der Hölle. Folglich ist es logisch sinnvoll, an Gott zu glauben, auch wenn seine Existenz nicht beweisbar ist.

Im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen will Pascal nicht die Existenz Gottes beweisen, sondern etwas über unser Handeln herausfinden. Seine Wette hängt aber stark vom Gottesbild ab, also davon, was wir zu gewinnen glauben. Das war ihm wohl nicht bewusst.