Editorial

Verantwortung für die Schöpfung

Bergsturz in Bondo, Hurrikan Harvey in Texas, Gletscherschmelze, Korallensterben, Gefährdung der Artenvielfalt: Unser Planet ist unter Druck geraten.

Bereits am 2. August haben wir – gemäss WWF – sämtliche uns zur Verfügung stehenden natürlichen Ressourcen, welche die Erde innerhalb eines Jahres erneuern kann, aufgebraucht. Dieser sogenannte Wertschöpfungstag verschob sich im Laufe der letzten Jahrzehnte im Kalender immer weiter nach vorne. 1997 begann die globale ökologische Schuldenphase noch nach neun, zwanzig Jahre später bereits nach sieben Monaten.

Unser Lebensstil hat Folgen: Zahlreiche Ökosysteme sind in Bedrängnis. Die Ausbeutung von Rohstoffen, die intensive Landwirtschaft, der hohe Siedlungsdruck, die Verschmutzung und der Klimawandel sind die treibenden Faktoren.

Natürlich sind schon immer Arten ausgestorben – und Temperaturschwankungen gab es mehrmals massive. Gemäss wissenschaftlichen Erkenntnissen beschleunigt der menschliche Einfluss diese Entwicklungen heute jedoch um ein Vielfaches. Jährlich sterben schätzungsweise 10 000 bis 25 000 Arten aus – dies entspricht einer bis drei Arten pro Stunde. Die Alpengletscher verlieren seit 2000 pro Jahr rund 2 bis 3 Prozent ihres Volumens.

Auch wenn es zu einfach wäre, Naturkatastrophen wie im Bergell oder in Texas monokausal zu deuten, so bleibt doch unübersehbar: Wir sind unserem Auftrag, die Schöpfung zu hegen und zu pflegen, bislang ungenügend nachgekommen. Ökologische Verantwortung ist ein Imperativ des christlichen Glaubens. Es ist Zeit, sie wahrzunehmen, Zeit für ein Umdenken. Es braucht politische Massnahmen. Vor allem aber braucht es den Einsatz jedes Einzelnen.

Seit dem Schöpfungstag am 1. September und noch bis zum Gedenktag von Franz von Assisi am 4. Oktober feiern die Kirchen die SchöpfungsZeit. Eine gute Zeit für konkrete Taten. Deshalb: Sich aufs Velo schwingen statt ins Auto zu steigen. Ressourcen schonen. Und für die Herbstferien: Wanderschuhe statt Kreuzfahrtschiff.

Text: Pia Stadler