Leben in Beziehung

Pizza ohne Mozzarella?

Wenn Eltern und ihre erwachsenen Kinder unter einem Dach leben, entsteht eine «WG» mit neuen Herausforderungen.

Wenn die Freunde meiner Eltern zu Besuch kommen, ist das Haus blitzblank. – Aber eine Stunde zuvor herrscht Chaos: Die Chips müssen noch in eine Glasschale gefüllt werden, Erdnüssli nicht vergessen, im Bad den Boden gewischt, die Schuhe im Eingang in den Schrank gelegt. Da wuseln Schwester, Mutter, Vater und Hund durch’s Haus, während der Kater weiterhin seine Haare überall dort lässt, wo er sich gerade hinfläzt. Sobald es an der Tür klingelt, sind aber auch seine Haare eingesaugt, denn der Boden soll glänzen. Die Family steht aufgereiht da und lächelt.

Wenn meine Freunde kommen, sieht das etwas anders aus: Einer bringt Tomatensauce mit, die andere hat den Mozzarella vergessen, Teig finden wir irgendwo und die Pizza wird improvisiert. Dazu steht das Vier-Freunde-Team in der Küche, jeder schneidet ein wenig mit, würzt ein wenig mit und isst ein wenig oder viel mit. Es entstehen wunderbare Gespräche, jeder fühlt sich sofort zu Hause und beginnt auch schon mal, die Küchenschränke neu einzuordnen. Diese Schlichtheit, in der es keine Rolle spielt, was wer macht oder isst, geniesse ich.

Mir ist es wichtig, Zeit mit den Menschen zu verbringen, die mir am Herzen liegen. Der Rest ist für mich Beigemüse. Ganz ehrlich: Pizza kann man auch ohne Mozzarella essen und Frühstück gibt es auch ohne Gipfeli!

Es ist schön, wenn der Kühlschrank voll ist – aber ist er leer, dann geht man halt gemeinsam einkaufen. Die vielen Fragen meiner Eltern dagegen, wenn ich jemanden einlade: Ob genügend Essen im Kühlschrank sei? Ob wir planten, noch auszugehen? Ob das Bett frisch bezogen sei? An den Salat gedacht? – Diese Fragen empfinde ich oft als nervig.

Dabei habe ich grossen Respekt vor der Wertschätzung, die meine Eltern ihren Freunden entgegenbringen. Samt allen den Erdnüsslis und dem Putzplan meiner Mutter. Aber auch mit der Zeit, die sie vor jedem Besuch aufwenden, damit sich die Gäste wohlfühlen. Sie kaufen ein, damit alles bereit steht; füllen ab, damit alles schön aussieht, und richten her, damit das Sofa einen Tick bequemer wird.

Trotzdem: Ich liebe es, dass ich bei meinen Freunden absolut niemanden beeindrucken muss. Ich fürchte das Chaos nicht und muss auch nicht mein Leben oder meinen Haushalt im Griff haben. Freunde kommen vorbei und dabei entsteht Gemeinschaft wie von selbst, ohne grosse Vorbereitung davor. Gute Gespräche entstehen auch im Chaos.

Ich bin sehr glücklich über die Freundinnen, bei denen ich nach dem Nachtessen spontan noch auf eine
Glace vorbeikommen kann. Wo ich im Haus gar nicht mehr läuten muss, weil ich so oft da bin. Und wir nach dem
Essen zusammen zu lauter Musik die Küche putzen. Einfach, spontan und unkompliziert.

Text: Luana Nava, freie Mitarbeiterin

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«Mir ist es wichtig, Zeit mit den Menschen zu verbringen, die mir am Herzen liegen. Der Rest ist für mich Beigemüse.»

Luana Navastudiert in Zürich Germanistik und Politikwissenschaft.