Panorama

Der Mensch, das grössenwahnsinnige Tier

Pascal Bruckner entdeckt im Umgang mit dem Klimawandel doppelten Grössenwahn. - Julia Winterboer staunt als linke, feministische Katholikin über die Intoleranz des linken Milieus. - Die «NZZ» versucht den Erfolg des Marienfilms «Mary's Land» zu erklären. - Daniela Gassmann entdeckt das Glück-Geheimnis ihres Vaters. Und «reformiert.» holt die Hölle aus dem theologischen Giftschrank.

Der Mensch, das grössenwahnsinnige Tier

Pascal Bruckner leugnet den Klimawandel nicht, aber er weigert sich, diesen als «universellen Passepartout» zu verwenden, als Erklärung für alles, was in dieser Welt schiefläuft.

Der französische Romancier und Essayist entfaltet in der «NZZ» bemerkenswerte Gedankengänge. Er spricht unter anderem von einer «Logik des Countdowns». Diese kennen wir alle aus Katastrophenfilmen: Eine maximale Bedrohung wird im letzten Moment von genialen Wissenschaftlern abgewendet, die es schon immer gewusst haben. Damit suche man einen «Sinnhorizont, der unverständlichen Ereignissen Bedeutung verleiht».

Bruckner geisselt in einem weiteren Gedankengang den Wahn des Menschen, der die Schöpfung wie eine Maschine beherrschen will. Dieser Wahn habe zum Klimawandel beigetragen, er stecke aber auch in ökologischen Allmachtsphantasien. In diesem Wahn sieht sich der Mensch über allem thronend, als «Zerstörer und Reparateur des Kosmos».

https://www.nzz.ch/feuilleton/wir-koennen-die-welt-zerstoeren-aber-wir-koennen-sie-uns-nicht-gefuegig-machen-ld.1317954


Linke, Feministin, katholisch

Sobald Julia sich als katholisch outet, gehen Linke und Feministinnen auf Distanz. Sie können sich nicht vorstellen, wie eine junge Frau diese drei Dinge unter einen Hut bringt.

Oft wird darüber geklagt, wie schwer es Linke und Feministinnen in der katholischen Kirche haben. Julia Winterboer eröffnet in einem Leserinnenbeitrag bei «Zeit Campus» eine andere, selten vernommene Sicht. Sie beschreibt, wie wenig Toleranz das linke Milieu ihr entgegenbringt: «Warum fragen alle nur nach der Kirche und nie nach meinem Glauben?»

Sie fordert für sich als Katholikin jene Solidarität und Toleranz ein, die Linke so gerne beschwören. «Niemand muss meinen Glauben und meine Interpretation dessen teilen, aber endlich akzeptieren: Ja, frau kann links und katholisch sein.»

http://www.zeit.de/campus/2017-09/identitaet-glaube-religion-katholische-kirche


Nun pilgern sie zu einem Marienfilm

Juan Manuel Cotelo macht keinen Hehl daraus, dass er mit seinem Film «Mary’s Land» missionieren will. Die «NZZ» will wissen, weshalb sich so viele, auch junge Menschen für diesen Film und Medjugorje begeistern lassen. Sie lässt aber auch Stimmen zu Wort kommen, die Marienverehrung nicht bloss als fundamentalistische «Spezialdisziplin» sehen.

https://www.nzz.ch/schweiz/kopie-von-die-erzkatholischen-und-ihre-liebe-zu-maria-ld.1318661


Entschleunigung macht glücklich

Daniela Gassmann konnte 26 Jahre lang nicht verstehen, weshalb ihr Vater ein Leben lang im gleichen Job als Fernmeldehandwerker blieb. Dann begleitete sie ihn erstmals bei der Arbeit und entdeckte sein Glücks-Geheimnis: Zufriedenheit. Gassmann motzt ihren Text nicht auf. Er ist ein schlichtes Porträt – und damit schlicht berührend. Ein Lehrstück für Entschleunigung ohne hippes Brimborium.

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/46432/Papis-Gluecks-Geheimnis


Einmal Hölle und zurück

Im Dossier von «reformiert.» werden Hölle und Jüngstes Gericht aus dem theologischen Giftschrank geholt. Dabei wird deutlich, dass es notwendig ist, sich diesem «Störfaktor des Wohlfühlglaubens» zu stellen. Gleichzeitig hätte man sich gerade deshalb mehr Beiträge gewünscht, die sich dem Höllenfeuer mit weniger theologischer Noblesse nähern.

www.reformiert.info/artikel/dossier/störfaktor-für-den-wohlfühlglauben

Text: Thomas Binotto