Stolpersteine

«Dreifaltigkeit»

Dass sich Gott als Dreifaltigkeit, als Trinität den Menschen offenbart, ist der Kern des christlichen Credos. Trotzdem ist kaum eine Glaubensvorstellung schwerer greifbar.

Unsichtbar ist Gott als Vater der Urgrund des Universums. Er zeigt sich historisch in der Gestalt von Jesus. Und er erfüllt heute noch die Menschen mit seiner Kraft als Heiliger Geist. Vermutlich sprechen die meisten Christen Gott im Gebet als eine der drei Personen an und selten als «Heilige Dreifaltigkeit», das heisst, als eine Gemeinschaft in sich.

Vielen liegt es heute näher, sich Gott abstrakter vorzustellen und ihn unpersönlich zu benennen, beispielsweise als Quelle oder als Licht. Dabei steht Gottes Handeln an uns Menschen im Vordergrund und weniger seine Person.

Aber geht uns dabei nicht Entscheidendes verloren? Wie nah empfinde ich Gott dann noch? Vor kurzem las ich das Buch «Die Hütte» von William Paul Young, das nun auch als Kinofilm gezeigt wurde. Viele Menschen liessen sich davon berühren, obwohl es eine Gratwanderung beschreitet.

Young erzählt die fiktive Geschichte vom fünffachen Vater Mack, der seine jüngste Tochter durch ein Gewaltverbrechen verliert. Ein Unfallkoma versetzt ihn nach Jahren durch eine Nahtoderfahrung in die Waldhütte, in der seine Tochter getötet wurde. Dort begegnet Mack Gott in drei faszinierenden Personen, die behutsam die Schale seiner Verbitterung durchdringen, so dass er innerlich heil wird.

Erfrischend und überraschend wird die Dreifaltigkeit dargestellt, mit der Mack für drei Tage quasi in einer Wohngemeinschaft lebt. Gott Vater ist eine herzliche zupackende afroamerikanische Mutter. Jesus ist ganz real ein sympathischer orientalischer Zimmermann. Und der Heilige Geist wird als durchscheinende asiatische Frau beschrieben.

Mack erlebt, wie diese drei voll Zuneigung und Humor miteinander umgehen. Sie kochen und führen Tischgespräche. Mack kommt sich nicht als Aussenseiter vor. Er ist völlig in ihre Liebe aufgenommen. Dadurch wandelt sich sein Innerstes, so dass er sogar seinen Hass gegenüber dem Mörder und auch seinem verstorbenen Vater verarbeiten kann. Durch die Liebe und das Verständnis der Dreifaltigkeit heilen auch seine Schuldgefühle.

Es mag naiv oder zu vermenschlichend erscheinen, sich die Trinität einmal so vorzustellen. Doch dieses sehr personhafte Bild kann wie eine Meditation wirken, die etwas vom Geheimnis Gottes aufleuchten lässt und die Beziehung zu ihm vertiefen kann.

Text: Michaele Madu Pastoralassistentin Volketswil