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Heiligkeit «to go»…

Die Heiligen sind in der Kirchengeschichte ein äusserst spannendes Phänomen. Heilige Männer und Frauen stehen Gott nämlich besonders nahe.

Zu Lebzeiten wurden sie meist mit einer übermenschlich-göttlichen Kraft ausgestattet. Hierdurch wurden sie zum Nahrungsverzicht, zum Erdulden von Schmerzen oder auch zum Wirken von Wundern befähigt. Mit den Heiligen war immer auch ein Teil von Gott in der Welt präsent. Seine Kraft wurde im Alltag sichtbar.

Ursprünglich offenbarte sich Gott im Tempel, also seiner Wohnung, oder in einem Götterbild, in dem er einwohnte. Mit der zunehmenden Zahl der Heiligen wird das System dynamischer: Die Offenbarung Gottes ging mit den Heiligen auf Reisen.

Heiligkeit blieb aber auch nach dem Tod eines Heiligen an seinen Überresten haften. Sie ging nicht einfach verloren. Darum wurden die Gebeine von Heiligen in spezielle Reliquiensarkophage (siehe Foto) gebettet. Mit einem solchen Reliquiensarkophag (Syrien, 420–600 n. Chr.) wurde die dynamische Heiligkeit weitergeführt: 

Oben auf dem Dach erkennt man einen Einfüllstutzen, an der rechten Seite eine Ausflussöffnung. Kostbares Salböl konnte nun durch den Sarkophag geleitet werden – es kam mit den heiligen Überresten in Kontakt und nahm selbst die Heiligkeit an. So war es möglich, dass die Heiligkeit in kleinen Fläschchen vom Gläubigen mit nach Hause genommen werden konnte. 

Dem Öl wurde nun auch eine besondere Wirkung zugeschrieben – wegen der Heiligkeit von Gott her, die in zwei Etappen übertragen wurde. Eine uralte rituelle Idee, die als Heiligkeit «To-Go» bis in die private Frömmigkeit daheim wirkte.

Text: Florian Lippke

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Syrisches Marmorreliquiar eines christlichen Heiligen, verziert mit einem Kreuzornament.