Editorial

Was haben wir im Eishockey zu suchen?

Was hat ein Eishockeyspieler im forum zu suchen? Die Frage ist falsch gestellt. Richtig müsste es heissen: Was haben wir bei einem Eishockeyspieler zu suchen?

Wir Christen stellen aller Welt gerne und manchmal auch aufdringlich die Gretchenfrage. Ein Porträt wie das von Morris Trachsler in diesem Heft dreht den Spiess um. Wenn ich mich mit wachem Sinn darauf einlasse, werden plötzlich mir die Fragen gestellt: Wie halte ich es als Christ mit Gemeinschaft und Solidarität? – Wie gehe ich mit meinen Grenzen und Niederlagen um? – Wie steht es um mein Durchhaltevermögen?

Als Christen verschreiben wir der Welt gerne unsere Werte. Dabei übersehen wir leider leicht, dass die Welt uns genauso inspiriert und herausfordert. Papst Franziskus hat das begriffen und will deshalb nicht nur in die Welt hineinrufen, sondern auch in sie hineinhorchen. So hat er die Familiensynode geplant. So plant er nun eine Jugendsynode.

Auch unsere Redaktion sucht Themen und Anregung immer wieder ganz bewusst dort, wo nicht das Etikett «Katholisch» draufklebt, wo kein explizites Glaubensbekenntnis abgegeben wird und es nicht von Weitem nach Frömmigkeit riecht.

Und deshalb haben wir im Sport unbedingt etwas zu suchen. Und übrigens auch im Kino. Ein weiterer Ort, der uns direkt in unser Glaubenszentrum führen kann, selbst wenn das von den Filmemachern gar nicht so geplant war. Der Filmpreis der Zürcher Kirchen soll uns deshalb ebenfalls daran erinnern, dass unser Gott für Überraschungen gut ist. Auch für Überraschungsbesuche, wenn wir sie gar nicht erwarten.

Text: Thomas Binotto