Reportage

Alte Gräben schliessen

Das Musical «Der letzte Stich» ist ein musikalischer Beitrag zum Reformationsjubiläum. Ein Probenbesuch mit Engel bei Luther, Zwingli und Calvin. 

Sonntagmittag Mitte Oktober, die Herbstsonne taucht den Musiksaal der Freien Katholischen Schule Kreuzbühl bei Zürich Stadelhofen in warmes Licht. Dort sitzen mittelalterlich dunkel gewandet die drei Reformatoren Zwingli, Luther und Calvin am runden Tisch und legen eben ihre Jasskarten beiseite. Konzentriert lauschen sie nun dem Engel im weissen Federkleid, der auf weissen Rollschuhen seine Pirouetten dreht und ihnen mit Geduld und Schalk zu erklären versucht, wie die 500-jährige Reformationsbotschaft in die Gegenwart übersetzt werden kann.

«Genau darum geht es im Musical ‹Der letzte Stich›: Anhand des Gleichnisses vom verlorenen Sohn soll die Botschaft der Reformation für die Menschen von heute verständlich gemacht werden», erklärt Franca Basoli beim Imbiss in der Probenpause. Sie spielt nicht nur den Engel, sondern führt zusammen mit Peter Wild auch Regie. «Das entscheidende Stichwort heisst Versöhnung», verrät die Theaterfrau. 

Franca Basoli spielt nicht nur den Engel, sondern führt zusammen mit Peter Wild auch Regie.

Franca Basoli spielt nicht nur den Engel, sondern führt zusammen mit Peter Wild auch Regie. Foto: Christoph Wider, forum

Peter Wild bringt das Musical mit über 40 Mitwirkenden – Laien wie Profis – auf die Bühne.

Peter Wild bringt das Musical mit über 40 Mitwirkenden – Laien wie Profis – auf die Bühne. Foto: Christoph Wider, forum

«Der Engel hat Recht», sagt Luther. «Versöhnung heisst die Botschaft der Reformation für heute.» - Zwingli nickt – und teilt wieder Jasskarten aus.

«Der Engel hat Recht», sagt Luther. «Versöhnung heisst die Botschaft der Reformation für heute.» - Zwingli nickt – und teilt wieder Jasskarten aus. Foto: Christoph Wider, forum

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«Der letzte Stich» ist Teil der Reformationskampagne der Reformierten Landeskirche Zürich. Spaltete sich vor 500 Jahren die Kirche, will das Musical jetzt Menschen und Kirchen zusammenführen. Es ist denn auch ein ökumenisches Projekt: Die beiden Landeskirchen finanzieren gemeinsam. Der reformierte Pfarrer und Buchautor Achim Kuhn aus Männedorf schrieb den Text, der 19-jährige katholische Student Manuel Ledergerber aus Adliswil komponierte die Musik dazu. Diese ist oft voll guter Laune, bewegt sich zwischen eingängigen Pop-Harmonien, funkigen Grooves, rockigen Gitarren und Chorälen. Sie soll im Herzen haften bleiben und zusammen mit den witzigen Dialogen ein breites Publikum ansprechen.

Es sei ein anspruchsvolles Stück, das im Himmel wie auf Erden spiele, im Mittelalter und im 21. Jahrhundert, sagt Franca Basoli. Entsprechend komplex ist auch die Aufgabe, das Musical mit über 40 Mitwirkenden – Laien wie Profis – auf die Bühne zu bringen.

Im Musiksaal wird bereits wieder geprobt. Die Regisseurin trinkt ihren Kaffee fertig, dann zupft der Engel seinen schimmernden Plisseejupe zurecht und schwebt rollend zu den Reformatoren. «Der Engel hat Recht», sagt Luther. «Versöhnung heisst die Botschaft der Reformation für heute.» Zwingli nickt – und teilt wieder Jasskarten aus.

Text: Pia Stadler

Angebot laufend

«Der letzte Stich»

Uraufführung: Samstag, 4. November, 19.30,
Ref. Kirchgemeindehaus Enge, Bederstrasse 25, Zürich 

Eintritt frei. Kollekte.

2018 wird das Musical in Zürich, Männedorf, Adliswil, Horgen, Pfäffikon ZH, Uster und Winterthur gespielt. 

Spieldaten sowie Noten, Texte und eine CD für eigene Aufführungen unter: www.reformationsmusical.ch