Editorial

Kleider und ihr Preis

Mode macht Spass. Zumindest uns. Den Preis zahlen Menschen und Umwelt am anderen Ende der Welt.

Seit sich die Blätter wieder bunt färben, spüre ich den Drang, dem Herbst das Umschichten meines Kleiderschrankes entgegenzusetzen: die leichten Sommerkleider in obere und hintere Regionen, Wärmendes ins Zentrum. Und natürlich steht ein Einkaufsbummel mit der besten Freundin an.

Dank einer Greenpeace-Studie zu Kaufverhalten, Tragedauer und Entsorgung von Mode überlegen wir uns nun
jedoch einen reinen Schaufensterbummel.

Billig und viel kaufen, kurz oder nie tragen, schnell wegwerfen: So gehen wir gemeinhin mit Kleidern um. Angekurbelt wird dieses Verhalten von Textilgiganten, die im Wochentakt neue Kollektionen in die Läden bringen.

Ihren Preis hat die billige Kleidung in Entwicklungs- und Schwellenländern: In den überwiegend asiatischen und
afrikanischen Produktionsländern ist die rasant wachsende Textilindustrie zum zweitgrössten Wasserverbraucher und Wasserverschmutzer geworden. Rund 7000 Liter Wasser verbraucht die Produktion einer einzigen Jeans.

Viele gefährliche Chemikalien werden nicht nur im Umfeld der Fabriken freigesetzt, wo Frauen und Männer oft unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten, sie breiten sich auch weltweit im Ökosystem aus.

Wir kaufen pro Jahr im Durchschnitt 15 Kilogramm neue Kleider. Auch wenn wir die aussortierten Stücke in die Altkleidersammlung zum Recyceln bringen: Die meisten Stoffe werden geschreddert und zu Putzlappen oder Füllstoffen verarbeitet. Eine neue Jeans entsteht aus der alten fast nie.

Meine Freundin und ich sollten uns dieses Jahr auf einen Bummel durch den Herbstwald einigen. Das stärkt die Gesundheit und schont die Umwelt. Und Spass macht es auch.

Text: Pia Stadler