Reportage

Radio mit Kerzenduft

Aus dem Industriering Adliswils wirbt «Radio Maria» seit 2010 täglich für den katholischen Glauben.

Wer ins Studio eintritt, wird von Kerzenduft empfangen und wähnt sich in einer Kirche – sieht aber sachlich eingerichtete Büros und technisch gut ausgerüstete Aufnahmestudios. Hinter dem Empfang gibt es aber tatsächlich eine Hauskapelle, wo ein grosses Herz-Jesu-Bild, viele Heiligenstatuen und Reliquien zum Beten einladen.

Von hier aus wird täglich der Rosenkranz und die Heilige Messe gesendet, geleitet von Pfarrer Thomas Rellstab, dem Programmdirektor des Radios. «Wir brennen für Jesus», sagt er. «Wir geben übers Radio Informationen und Hilfen für ein christliches Leben.»

Am Mittag ist die ganze Crew um einen grossen Tisch versammelt. Thomas Rellstab verteilt väterlich das Essen, das im Turnus von freiwilligen Köchinnen gebracht wird. Die insgesamt 29 Mitarbeitenden – 13 Angestellte und 16 freiwillig Engagierte – verstehen sich bei Radio Maria als Familie. Von der Assistentin Haushalt bis zur Moderatorin und Redaktorin, vom Techniker bis zur Assistentin Hörerservice oder dem Zuständigen für Finanzen und Spenden. «Wir bekommen keinerlei Kirchensteuern und auch keine Zustüpfe von Bistümern oder anderen kirchlichen Institutionen. Alles sind private Spender», betont der Programmdirektor. 

Namen möchte er aber keine nennen. 10 Prozent des Budgets gibt Radio Maria Schweiz an die «World Family of Radio Maria» ab. Damit unterstützt das 1998 in Italien entstandene Netzwerk den Aufbau neuer Sender und die Unterstützung finanzschwacher Sender.

Radio Maria ist vor allem bei traditionellen und konservativen Katholiken beliebt. Umso mehr überrascht bei einem Blick ins Programmheft die Vielfalt: Es werden Texte von Papst Franziskus vorgestellt, aber auch Referate von reformierten Theologen gesendet. Eine Reportage vom Ministrantenfest steht neben Übertragungen von einer Familienwallfahrt nach Medjugorie. Pater Martin Werlen aus Einsiedeln kommt ebenso zu Wort wie Christoph Casetti aus Chur.

Nach dem Essen setzt sich Laura   Jacober im Studio hinter das Mikrofon, um die Gemeinschaftsstunde zu moderieren, in der Hörerinnen und Hörer aktiv mitmachen. «Ich suchte nach einer Arbeit, bei der ich meinen Glauben einbringen kann», sagt die vorher bei Tele Z engagierte Medienfrau. Bei Radio Maria könne sie zudem sehr kreativ neue Ideen umsetzen.

Text: Beatrix Ledergerber-Baumer