Just my song

Zehn Personen – zehn ganz persönliche Song-Stories. Eine Playlist zum Mithören und -sehen…

  1. «Destinazione Paradiso» Laura Pausini
  2. «Is She Really Going Out With Him?» Joe Jackson
  3. «The Ballad of Dorothy Parker» Prince
  4. «Hells Bells» AC/DC
  5. «You’re the One That I Want» Olivia Newton-John & John Travolta
  6. «Ohni di» Florian Ast
  7. «Exit Music (For a Film)» Radiohead
  8. «20 000 Meilen» Xavier Naidoo
  9. «Hello Goodbye» The Beatles
  10. «The Man Who Can’t Be Moved» The Script

«Destinazione Paradiso» von Laura Pausini

An einem kalten Montag im Februar befinde ich mich (damals 15) mit meinem Vater im Altersheim bei meinem Grossvater. Die Besuchszeit ist zu Ende, und ich verabschiede mich von ihm: «Ciao Nonno! Wir sehen uns morgen wieder.»– «Ich werde es nicht so weit schaffen», antwortet er unerwartet. Sofort widerspreche ich: «Sag nicht so einen Unsinn! Ruh dich aus und freue dich auf morgen – genau wie ich.»

Mit gemischten Gefühlen steige ich ins Auto. Wir fahren los und im Radio ertönt eine melancholische Melodie, gefolgt von einer wohltuenden Stimme, welche die Zugfahrt zum Paradies beschreibt. In diesem Moment schaue ich hinüber zu meinem Vater. Sein Ausdruck ist mir neu und trotzdem erkenne ich seine Bedeutung. Instinktiv wechsle ich mitten im Lied den Sender.

Am nächsten Tag kriegen wir den Anruf aus dem Altersheim. Mein nächster Schritt war mir klar. Ich musste dieses Lied zu Ende hören und erkannte, wo die Reise meines Grossvaters enden wird: «Destinazione Paradiso». 

Silvia Solombrino 
Sängerin in der christlich geprägten Band MaryLu, die in der Pfarrei Maria Lourdes Zürich beheimatet ist. www.marylu.ch

«Destinazione paradiso» Laura Pausini

«Is She Really Going Out With Him?» von Joe Jackson

Die Musik von Joe Jackson begegnete mir in der herrlichen Zeit der Pubertät. Alles war neu, frisch und aufregend. Die Zeit der ersten Male. Es war im Gymnasium, ich war vielleicht 13–14 Jahre alt, hatte schon einige Jahre Klavierunterricht genommen und bekam einen neuen, jüngeren Klavierlehrer. Dieser vermittelte mich gleich an die Band der Nachbarschule, die jemand am Keyboard suchte.

Die erste Bandprobe brachte mich zum Schlottern, nur coole Jungs dort (einer hatte sogar schon bei einer TV-Serie mitgespielt), ich am Keyboard überfordert. Der Bassist (ja, natürlich war er süss!) schenkte mir irgendwann ein Tape, also eine Kassette, Musik von Joe Jackson war drauf. Mein Ohrwurm damals und auch noch lange danach: «Is She Really Going Out With Him?» Ich hoffte auf mehr, der Bassist hatte dann aber eine Freundin, wie ich schnell feststellen musste … «Is She Really Going Out With Him?» …ja, leider!

So oder so: Schön, dass ich auf diese Art und Weise die Musik von Joe Jackson kennen gelernt habe. Ich glaube, ich hatte damals jedes Stück von Joe Jackson auf verschiedenen Kassetten –zusammenkopiert. Auf meinem heiss geliebten Doppel-Kassetten-Deck. Grösster Weihnachtswunsch damals. 

Kerstin Lenz 
Informationsbeauftragte des Synodalrats

«Is She Really Going Out With Him» Joe Jackson

«The Ballad of Dorothy Parker» von Prince

Nach der dreiwöchigen Hauswirtschaftsschule in Madulain mit der ganzen Klasse im Zug nach Zürich musste ich mich einfach mal abschotten. Dank meines neuen Discmans gelang mir die Flucht in eine faszinierende Welt, die die anderen zum Glück auch nicht verstanden.

Sie verstanden nicht, was ich an der «schrägen» Musik auf «Sign o’ the Times» fand. Vor allem in «The Ballad of Dorothy Parker» wollte ich mich verkriechen, den Song zu einem vibrierenden Teil meines pubertierenden Selbst machen. Was mir allerdings nicht einfach fiel, ohne eingängige Melodie und Refrain. 

Die eigenartig flach wirkende Instrumentalisierung gab vor allem der coolen Erzählung von einer starken und intelligenten Frau Raum. Der Traum, der Prince zu diesem Song inspiriert haben soll, wurde zu meinem Traum von einem Leben als unabhängige Frau.


Tereza Fischer
Chefredaktorin der Filmzeitschrift «filmbulletin»

«The Ballad of Dorothy Parker» Prince

«Hells Bells» von AC/DC

Aufgewachsen in einem kleinen Dorf im Kanton Freiburg, war mir Glockengeläut vertraut. Ich brauchte keine Uhren, ich hatte ja die Dorfkirche, die mir jede Viertelstunde den Takt vorgab.

Kurz vor meinem 13. Geburtstag greift eine Band nicht nur meinen Kirchenglockentakt auf, sondern auch mein Lebensgefühl. Riffs wie eine Wand und Power, dass die Boxen im Keller des Schulhauses, wo wir unsere Schülerdiscos veranstalteten, vibrierten. Die Musik transportierte für mich ein Gefühl von Kraft und Unabhängigkeit, gepaart mit einer Dunkelheit, die weg weist von unserer grellen Konsumwelt.

Ich liebe dieses Gefühl, und finde es bis heute – wenn auch bei anderen Bands – im Heavy Metal. Dass auf der Platte (ja, ja, noch Vinyl) die Glocken eines englischen War Memorials zu hören waren, habe ich natürlich erst später irgendwo gelesen. Aber es könnte nicht stimmiger sein. Wenn der Teufel irgendwo seine Hände im Spiel hat, dann doch wohl im Krieg.


Belinda Sallin

Filmemacherin & Redaktionsleiterin DOK bei SRF

«Hell Bells» AC/DC

«You’re the One That I Want» mit Olivia Newton-John und John Travolta

Wenn man als Chorleiterin gefragt wird, welches Lied eine besondere Bedeutung für einen hat, dann ist das eine fast unlösbare Aufgabe. Also studierte ich hin und her und konnte mich nicht entscheiden. Dann stellte ich das Radio ein – und es traf mich fast wie ein Blitz: «You’re the one that I want, uh, uh, uh…» trällerten Olivia Newton-John und John Travolta.

«Das Lied ist genauso alt wie du», schoss es mir durch den Kopf und es war der Ohrwurm des Schulmusicals «Krise» (alias «Grease»), an dem ich als Schülerin mitgewirkt habe. Das konnte kein Zufall sein…

Die Zeit mit «Grease» als Teenie hat mich sehr geprägt: Die Faszination für die Bühne ist dort entstanden. Und auch heute kommen mir sofort die Tanzschritte in meine sonst meist linken Füsse. Obwohl das Lied stramm auf die Vierzig zugeht, strahlt es eine Kraft aus: die Kraft, jemand anderen überraschen zu können, jemand anderes sein zu können, sein zu dürfen. Und eine starke Zusage: Dich will ich um jeden Preis.


Vivien Siemes

Musikpädagogin und Katechetin in der Pfarrei St. Anton, Zürich

«You're the One That I Want» Olivia Newton-John und John Travolta

«Ohni di» von Florian Ast

Alles begann vor rund 17 Jahren mit einem Album im CD-Regal des Vaters meiner damaligen Freundin. Eine ältere Platte von Florian Ast hatte es mir angetan. Die Liebe verfloss, die CD blieb. Songs wie «Meitschi», «Grossvater» oder «Ängu» liefen bei mir hoch und runter. Der aus der Nachbargemeinde stammende 

Florian Ast ebnete mir den Zugang zu schweizerdeutschen Texten. So erstaunt es nicht, dass wenig später der Song «Ohni di» eine zentrale Rolle in meinem Leben einnahm.

Seit nun acht Jahren bin ich mit meiner Lebenspartnerin zusammen und noch immer trennt uns aus beruflichen und privaten Gründen eine geografische Distanz. «Ohni di» beschreibt sehr schön die Kraft der Liebe über gegenseitiges Vertrauen, aber auch die Abhängigkeit von zwei Menschen, mit der Gefahr, bei Trennung in Einsamkeit zu fallen. Mit seinen Worten trifft der Berndeutsch-Rocker in ruhigen und einsamen Nächten mein Herz und holt mich so trotz örtlicher Distanz gedanklich zu meinen Liebsten

Simon Brechbühler 
Leiter AKJ Zürich-Stadt

«Ohni di» Florian Ast

«Exit Music (For a Film)» von Radiohead

Es passierte in der «Musicbox» in Winterthur. Im Keller mit grauem Boden, grauen Wänden und schlechter Luft verbrachte ich manchen freien Schulnachmittag. Ich suchte die neue Platte von Radiohead. Die Band hatte mich an den Musikfestwochen begeistert. Ich setzte die speckigen Kopfhörer auf. Es begann lärmig und wurde plötzlich still. Die weinerliche Stimme von Thom Yorke sang vom Erwachen aus Träumen und Trocknen der Tränen, vom Aufbruch. Ein verzerrter Bass, das Schlagzeug, eine Explosion in Zeitlupe.

Kurz vor der Matura stand für mich «Exit Music (For a Film)» für die Neugier auf das Leben, die der Angst nicht das letzte Wort lässt. Zwanzig Jahre später stehe ich in Monza. So pathetische Sätze von Angst und Neugier würde ich heute nicht mehr schreiben. 

Thom Yorke spielt die vertrauten Akkorde, vierzigtausend schweigen. Unter Italiens Sommerhimmel berührt der Song etwas in mir, das ich nicht benennen kann. Wie damals in der muffigen Musicbox, deren Gründer längst in Ungarn Pferde züchtet. Sagt man.


Felix Reich

Redaktionsleiter «reformiert.»

«Exit Music (for a Film)» Radiohead

«20 000 Meilen» von Xavier Naidoo

Der Sänger Xavier Naidoo begleitet mich seit rund 20 Jahren. 1998 kam sein Solodebütalbum «Nicht von dieser Welt» mit dem Song und Hit «20 000 Meilen» raus. Ich habe in diesem Jahr meinen Beruf gewechselt und mein Hobby zu meinem Job gemacht: kirchlicher Jugendarbeiter.Davor war ich als Bauführer auf 

Baustellen unterwegs mit den Ausbildungen Hochbauzeichner und Maurer im Rucksack. In der Pfarrei Jona baute ich die kirchliche Jugendarbeit von Beginn auf und studierte danach Soziokulturelle Animation an der HSA Luzern.

«20 000 Meilen» habe ich immer wieder in der täglichen Arbeit mit Erwachsenen, Jugendlichen oder Kindern eingesetzt. Naidoo versteht es bis heute, Pop und Soul mit religiösen Texten zu verbinden. Im November 2017 wird sein neues Album erscheinen, und ich kaufe sicherlich die CD als Erinnerung für mich. Für mich berühren die Texte innerlich die Menschen. So wie die Kirche sein muss – müsste! 

Stefan Ritz
Leiter AKJ Oberland

«20 000 Meilen» Xavier Naidoo

«Hello Goodbye» von The Beatles

Der einzige Plattenspieler meines Vaters war ein «Dual», der damals eine schöne Stange Geld gekostet hatte und als «Heiligtum» von mir nicht berührt werden durfte. Der einzige Zeitraum, in dem der Plattenspieler unbewacht bedient werden konnte, war morgens zwischen 7 und 8 Uhr.

Diesen Umstand nützte ich aus, um mir im Geheimen meine erste Single anzuhören: «Hello Goodbye» von den «Beatles». Obwohl ich die «Beatles» bis anhin nicht kannte, gefiel mir der Song gleich auf Anhieb. So wurde «Hello Goodbye» quasi zu meiner persönlichen Hymne, die ich mir jeden Morgen vor dem Zur-Schule-
Gehen abspielte.

In jenen Tagen 1974 kursierte in der Schulbibliothek gerade eine erste Biographie der vier Pilzköpfe, die ich mir natürlich sofort unter den Nagel riss. Was mich damals (neben den Songs) vor allem beeindruckte und bis heute fasziniert: wie die Freundschaft dieser vier Musiker eine Kreativität hervorbrachte, welche eine ganze Epoche sowie ihre Folgezeit zu prägen vermochte.


Fulvio Gamba

Pfarrer im Seelsorgeraum Egg-Maur

«Hello Goodbye» The Beatles

«The Man Who Can’t Be Moved» von The Script

Ich kann mich an den exakten Moment erinnern, in dem ich das erste Mal «The Man Who Can’t Be Moved» von der irischen Band «The Script» gehört habe. Ich sass in der zweiten Reihe im Musikzimmer meiner Sekundarschule und war sofort Feuer und Flamme.

Die vollen Gitarrentöne zu Beginn des Liedes und das dominante Schlagzeug beruhigen mich noch heute. Die raue Stimme des Sängers erzählt die Geschichte eines verrückten Mannes, der sich aus Liebeskummer dazu entscheidet, auf seine ehemalige Freundin zu warten, und zwar am Ort, wo sie sich kennengelernt hatten.

Obwohl diese Geschichte absolut nicht zu meinem Leben als 14-Jährige passte, hat sie mich berührt und gleichzeitig zum Tanzen gebracht. Deswegen werde ich 2018 am nächsten «The Script»-Konzert in Zürich im Publikum ungeduldig auf diesen Song warten! 

Luana Nava 
Studentin Germanistik und Politikwissenschaft

«The Man Who Can't Be Moved» The Script