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Unterwegs für den Glauben

Nicht nur im peruanischen Lima, auch in Zürich zieht die Prozession zum Fest «Herr der Wunder» viele Menschen an.

Die Kirche St. Peter und Paul Zürich ist an diesem regnerischen Sonntag bis auf den letzten Platz besetzt. Im Chor steht das mannshohe Bild des gekreuzigten Jesus, umgeben von einem gold-silbernen Strahlenkranz und mit vielen Blumen geschmückt, bereit für die Prozession.

Heute feiert die Mission für spanisch Sprechende das Fest «Señor de los Milagros» (Herr der Wunder). Es geht zurück auf ein Bildnis, das auf wundersame Weise zwei Erdbeben überstanden hat und vermutlich von einem schwarzen Sklaven gemalt worden war. An der Prozession in Lima, jeweils am 18. Oktober, nehmen eine Million Gläubige teil.

Die Mitglieder der «Hermandad del Señor de los Milagros» sind in Zürich für den gesamten Ablauf der Feierlichkeiten verantwortlich. Die in violette Umhänge gekleideten Männer tragen das Bild oder singen, die Frauen, «Sahumadoras» genannt, schreiten mit brennenden Weihrauchgefässen voraus. Bruderschafts-Leiter Antonio Canales erklärt: «Vor 13 Jahren reiste der damalige Pfarrer der Mission, Don Carlos La Torre, mit einer Gruppe nach Genf an diese Prozession. Danach schlug er vor, sie auch in Zürich durchzuführen.» So begann man 2005 mit einem einfachen Rundgang mit dem Bild des Gekreuzigten um die Kirche. «Zwei Jahre später besorgten wir uns aus Peru ein neues Bild und das Holz für die Trage», erzählt Canales. Immer mehr Menschen nehmen seither in Zürich an der Prozession teil.

Nach dem Gottesdienst setzt sich die Prozession in Bewegung. Das Christus-Bild, wegen des Regens in Plastik gehüllt, ruht auf einer 700 Kilo schweren Tragvorrichtung auf den Schultern von 18 Männern. Alle hundert Meter müssen sie absetzen. Zufällig vorbeikommende Zuschauer bewundern den bunten Zug. Immer wieder werden Lieder und Gebete angestimmt. Der Weihrauch hüllt alles in einen blauen Dunst.

«Der Glaube an Christus ist mir sehr wichtig», sagt Canales. «Gerade hier im Kanton Zürich, als Katholik. Ich bin stolz, dass wir damit den Menschen hier etwas von unserem Glauben und unserer Tradition zeigen können.» Obwohl das Fest eine Tradition aus Peru ist, kämen auch Menschen aus anderen Ländern wie Ecuador, Kolumbien und Spanien. «Wir sind für alle offen. Es geht um den Glauben, nicht um die Nation.»

Text: Oliver Sittel