Panorama

Ende eines Experiments

Vor 250 Jahren wurde ein einmaliges Experiment der Jesuiten in Lateinamerika brutal beendet. – Der Papst übt sich für einmal in Diplomatie. – Die Reformierten entdecken radikale Weihnachtsbotschaften. – Der heilige Nikolaus liegt entweder in Italien, Irland oder vielleicht doch in der Türkei. – Und Überwachung scheint neuerdings Spass zu machen.

Das Ende des heiligen Experiments

Vor 250 Jahren wurde ein einmaliges Experiment der Jesuiten brutal beendet. Mit der Vertreibung des Jesuitenordens aus Spanien wurden 1767 auch die sogenannten «Reduktionen» in Lateinamerika aufgehoben. Richard Bauer, langjähriger Lateinamerika-Korrespondent der NZZ, hat sich in Quito und Juli auf Spurensuche zu diesem einzigartigen Projekt gemacht, mit dem die Jesuiten eine Art Gottesstaat einrichten und gleichzeitig die indigene Bevölkerung religiös bekehren und wirtschaftlich befreien wollten. 

Sein Bericht bietet ohne nostalgische Verklärung eine gute Einführung in ein religiös-wirtschaftlich-soziales Projekt, das bis heute einzigartig und faszinierend geblieben ist.

Zur weiteren Lektüre bieten sich frühere Beiträge Bauers zu Geschichte und Wirkung der Reduktionen an: zum einen über den Jesuiten Martin Schmid, der damals in der Chiquitania Kirchen gebaut hat. Zum anderen über das musikalische Erbe, das die Reduktionen hinterlassen haben.

https://www.nzz.ch/international/amerika/schweizer-jesuiten-im-bolivianischen-urwald-das-heilige-experiment-ld.110229

Papst übt sich in Diplomatie

Die Reise von Papst Franziskus nach Myanmar und Bangladesh war eine besonders heikle Mission. In Rom gilt Franziskus nicht als Meister der Diplomatie. Gerade Diplomatie ist in Myanmar aber in einem Höchstmass gefragt, wenn es um die Verfolgung der Rohingya.

In seiner Berichterstattung für das «Publik Forum» attestiert Thomas Seiterich dem Papst aber, diese Aufgabe geschickt gelöst zu haben: «Der Gast aus dem fernen Rom konnte dieses perverse Unrechtssystem nicht aus den Angeln heben. Doch mit der Autorität seines Amtes, die im religiös imprägnierten Myanmar über die Religionsgrenzen hinaus respektiert wird, durfte sein Appell für ein zivildemokratisches Miteinander anstelle des buddhistischen Ethno-Nationalismus als Auftrag für alle zivilen Kräfte verstanden werden.»

https://www.publik-forum.de/Religion-Kirchen/der-papst-sagt-das-r-wort

Radikale Hoffnung

Das Weihnachtsdossier von «reformiert.» zeichnet kein strahlend-glückseliges Bild von Weihnachten. Es spürt der Aktualität der Frohen Botschaft dort nach, wo man nur mit christlicher Radikalität hoffen kann: in der Armut, der Ungerechtigkeit, der Ohnmacht und dem Bösen.

reformiert.info/artikel/dossier/heil-ist-die-welt-bis-heute-nicht-geworden

Wo liegt Nikolaus?

Nikolaus von Myra ist nicht nur unser geliebter Samichlaus, er ist auch ein Streitobjekt. Nicht weniger als drei Orte behaupten, im Besitz seiner Gebeine zu sein: Bari und Venedig in Italien sowie Jerpoint in Irland. Alle sind sie stolz darauf, den Leichnam des Bischofs aus Myra geklaut zu haben. Nun vermuten aber Archäologen, dass Nikolaus nach wie vor dort liegen könnte, wo er eigentlich hingehört: unter der Nikolaus-Kirche im türkischen Demre.

https://blog.tagesanzeiger.ch/historyreloaded/index.php/2001/die-wahrheit-ueber-den-samichlaus/

Geliebter Big Brother

Wenn ein Strafgefangener im offenen Vollzug eine elektronische Fussfessel tragen muss, empfinden wir das als Demütigung. Wenn wir Tag und Nacht ein Fitnessarmband tragen, freuen wir uns an den Möglichkeiten eines neuen Gadgets. «Funopticon» nennt der Kulturwissenschaftler Randolph Lewis diese Kombination von Überwachung und Spass. Adrian Lobe gibt in seiner Recherche Einblicke in diese neue Lust am Überwachtwerden, die ebenso erhellend wie erschreckend sind.

http://www.sueddeutsche.de/kultur/ueberwachung-wenn-ueberwachung-spass-macht-1.3776269

Text: Zusammenstellung: Thomas Binotto