Mail aus Abu Dhabi

Gastfreundschaften

Martin Stewen erlebt in Abu Dhabi ganz unterschiedliche Formen der Gastfreundschaft. Sei es arabische Noblesse oder indische Herzlichkeit.

Immer wieder ziehe ich mit Besuchern von auswärts umher. Und dann kommen wir dabei natürlich auch in Berührung mit hiesigen Gepflogenheiten: sei es in einem Hotel, sei es in Museen oder sonst wo. Da gibt es dann oft diese wunderbare Überraschung arabischer Gastfreundschaft.

Wenn es ganz hochkommt, wird einem Gast zur Begrüssung ein feuchtes, gewärmtes oder gar parfümiertes Tuch gereicht, um das Gesicht zu erfrischen oder die Hände zu reinigen. Viel öfter aber findet sich am Eingang ein Tablett mit frischen Datteln und der mit Kardamom gewürzte arabische Kaffee. Solch eine kleine Geste bewirkt viel Atmosphäre. 

Ich erinnere mich an ein Treffen im Hause eines hohen Imams, bei dem sogar Weihrauch auf Kohlen gereicht wurde, den der Gast sich dann unter sein Übergewand fächelte. Eine völlig andere, aber äusserst faszinierende Art der Gastfreundschaft.

Die indische Gastfreundschaft, die mich viel häufiger umgibt, sieht ganz anders aus. Während die arabische Kultur trotz aller Herzlichkeit den Gast immer ein bisschen auf Abstand hält, kennt dies die indische Kultur nicht. Da werden Essen und Getränke gereicht und Fürsorge kundgetan, dass einem fast schwindlig wird. 

Nun ist die indische Küche ja aufgrund ihrer deftigen Gewürze nicht für jeden Magen zuträglich – da kann die Zurückweisung angebotener Speisen für den europäischen Gast schon mal eine Art Überlebenskampf bedeuten. Das weiss jeder, der mal eine Nacht unter der Wirkung von grünem Chili gelitten hat.

Wie auch immer – ich weiss jetzt schon: All das werde ich eines Tages sehr schwer vermissen.

Text: Martin Stewen