Editorial

Pfauentanz am WEF

Auf mich macht das WEF den Eindruck einer Veranstaltung, an der sich eine abgehobene Elite als Weltlenker inszeniert und sich dabei vor allem selbst auf die Schultern klopft.

Mit der Ankündigung von Donald Trumps Teilnahme nimmt diese abgehobene Attitüde nochmals erheblich zu. Ganze Flugzeugladungen werden in die Schweiz gebracht, um die über alles herausragende Wichtigkeit des amerikanischen Präsidenten zu demonstrieren. Davos wird bis Downtown Zürich zur temporären Festung ausgebaut.

Ich habe den Eindruck, dass das ganze Brimborium rund um solche Veranstaltungen und um sogenannt wichtige Personen sehr bewusst aufgeblasen wird. Das Brimborium ist die Grundlage, auf der man den Anschein von Wichtigkeit aufbaut. Nach dem Motto: «Je mehr Bodyguards eine Person hat, desto wichtiger muss sie sein.»

Man stelle sich vor, das WEF würde mit rudimentären Sicherheitsvorkehrungen durchgeführt und der amerikanische Präsident ungepanzert durch die Schweiz gefahren. Und dann passierte vier Tage lang … gar nichts! – Was wäre das für ein Angriff auf die Eitelkeit der Elite.

Ich schätze es sehr, dass ich in einem Land lebe, wo es zum Selbstverständnis gehört, dass sich auch Bundesräte frei und ungesichert bewegen. Wo Normalität als Ausdruck von Lebensqualität gilt. Wo man Bodenständigkeit erwartet und elitären Zirkeln misstrauisch begegnet. Das passt für mich auch als Christ, denn in meinem Glauben ist selbst Gott ein Gott der Unmittelbarkeit, der sich deshalb Jahwe «Ich-bin-da» nennt.

Die Beliebtheit von Papst Franziskus hat nicht zuletzt damit zu tun, dass er Brimborium ganz offensichtlich verabscheut. Er wird damit zwar angreifbar. Aber er wird auch nahbar. Lässt die Blase immer wieder durchlässig werden. Und vermittelt den Eindruck, auf dem gleichen Planeten zu leben wie ich.

Text: Thomas Binotto