Vorbereitung Fastenkampagne

Spielerisch zum Wandel

Die «Ökumenische Kampagne 2018» von Fastenopfer/
Brot für alle gibt Impulse für die Pfarreiarbeit.

«Viel Essen wird weggeworfen. Dies wird auf den Food-Teilchen dargestellt. Sie sollen im Spiel aber gerettet werden», sagt Bettina Lichtler zu den zehn Teilnehmenden ihres Workshops an der Impulsveranstaltung in Zürich Mitte Januar. Die reformierte Pfarrerin erklärt die Regeln zum Lernspiel «Blick über den Tellerrand», das auf die weltweite Ungleichheit und das Abfallproblem hinweist und zu alternativem Handeln motiviert. Es war von einer Maturandin erfunden und von Jungwacht-Blauring und Fastenopfer weiterentwickelt worden. Beim Spiel müssen Fragen beantwortet werden. Zur Belohnung gibt es unter anderem Food-Teilchen für die eigene Foodwaste-
Karte. Wer diese voll hat, hat gewonnen.

Voller Elan setzen sich zwei Fünfergruppen um je ein Tellerrand-Spielset. «Wie lange arbeitet man auf den Phi-lippinen, um ein Stück Brot kaufen zu können?», ist eine Frage auf einer Karte. Vier, sechs, zwei Stunden, raten die Frauen und Männer rund um den Tisch.

Anschliessend versammeln sich alle zum Feedback und ergänzen das Spiel mit Anregungen für die Anwendung im Unterricht. «Das Spiel enthält wichtige Informationen», findet Margrit Hafner, Katechetin in Rüschlikon, «wir könnten diese anschliessend z. B. in einem Quiz abfragen.» Weitere Ideen tauchen auf: Jedes Kind könnte die Kopie einer Fragekarte mit nach Hause nehmen als Input, die darauf notierte Anregung selbst umzusetzen. Oder die Unterrichtsgruppe könnte in einem Fair-Trade-Laden die Erkenntnisse vertiefen.

Wie der notwendige Wandel in Pfarreien umgesetzt werden kann, zeigte die Impulsveranstaltung Mitte Januar in Zürich auch in anderen Workshops: etwa «Bibliolog – Wandel biblisch verwurzeln», «Transformation anpacken – mit Partnern vor Ort», «Weniger ist mehr – kreativ verzichten, fasten, leben», «Ökospiritualität – Anregungen von Leonardo Boff und Joanna Macy».

In einem Referat wird «Buen vivir – eine hoffnungsvolle Perspektive aus dem Weltsüden» vorgestellt. Zum Schluss zeigte das Schauspiel einer Brasilianerin mit ETH-Architekturabschluss das Dilemma von Menschen, die zwischen zwei Welten stehen. Sie tritt auf Wunsch auch in Pfarreien auf. Eine Liste mit Transformationsinitiativen kursierte – ebenfalls als Ideenlieferant.

www.sehen-und-handeln.ch

Text: Regula Pfeifer, freie Journalistin

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Nachgefragt bei Margrit Hafner, pastorale Mitarbeiterin St. Nikolaus von Myra, Rüschlikon. 

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Was brachte die Impulsveranstaltung?

Das Schauspiel berührte mich. Es zeigt das Dilemma, in dem Menschen aus armen Ländern stehen, die sich hier ausbilden und den Aufstieg schaffen, aber in ihrem Heimatland gebraucht würden. Weiter lernte ich den Begriff Ökospiritualität kennen. Bei unserem Individualismus bleibt das «Wir» auf der Strecke, also der Sinn des Lebens. Und das Spiel «Blick über den Tellerrand» fand ich sehr informativ. Es ist für den Religionsunterricht und für
die Gemeindearbeit sicher geeignet.

Wie setzen Sie die Fastenkampagne um? 

Bisher nahmen wir sie im Religionsunterricht oder in Gottesdiensten auf. Neu möchte ich sie in die ganze Pfarrei einbringen, zum Beispiel in der Seniorenarbeit. Es sind oft die Senioren und Seniorinnen, die den Kindern die christlichen Werte weitergeben.

Was ist Ihre Motivation?

Wenn ich sehe, wie sich die Menschheit mit kurzfristigem Handeln selbst schadet, macht mich das traurig. Die Fastenzeit ist eine gute Zeit, um die Augen zu öffnen. Die junge Generation hinterfragt kaum, weshalb wir im
Winter Erdbeeren essen. Doch die Ökospiritualität zeigt: Was hier passiert, hat Folgen. Wir tragen eine Verantwortung für die Schöpfung Gottes, für heute und für die Zukunft. Die Fastenzeit bereitet auf Ostern vor, die Zeit der Auferstehung. Es geht darum, aufzustehen und anders weiterzugehen als bisher.

rp