Meine Sternstunde

Er sass in unserer Spitalkirche…

Sabine Zgraggen, Psychiatrieseelsorgerin an der PUK und stellvertretende Dienststellenleiterin der kath. Spital- und Klinikseelsorge Zürich, teilt ihre Sternstunde.

Letzte Woche sind mir gleich drei Menschen begegnet, die aus einem vorgespurten Leben ausgebrochen sind:
Einer von ihnen war ein junger Mann mit längeren Haaren, der wie ein Jesusdarsteller aussah. Er sass in unserer Spitalkirche und war in eine russische Bibel vertieft.

Zwischen uns hat sich ein Gespräch entsponnen, in dem sich zeigte, dass er bereits ganz Europa durchquert hatte. Nur mit einer Decke und seiner Bibel im Handgepäck. Immer wolle man ihn entweder in die Psychiatrie oder in ein Asylheim stecken, erzählte er mir. Doch beides lehne er nach unrühmlichen Erfahrungen ab. Überall gebe es Bedingungen, die man erfüllen müsse, um in den Genuss von Dienstleistungen zu kommen.

Er aber wolle einfach so sein, wie er sei, und unter freiem Himmel leben. Auf die Risiken dieser Art des Lebens angesprochen, antwortete er lächelnd: «Wenn ich morgen nicht mehr aufwache, wird Gott schon wissen warum.» Nach einem Kaffee zog er weiter. Ich dachte noch lange an ihn, besonders, als ich nachts in meinem warmen Bett lag.

Text: Sabine Zgraggen

Angebot laufend

Ein Licht, das mir aufgegangen ist.

Dieses Mal mit…

Angebot laufend

Sabine Zgraggen
Sabine Zgraggen