Gott und die Welt

Musik aus dem Urwald

Junge Musiker in Paraguay entdecken Kompositionen eines Schweizer Missionars für sich.

Als sich der Reisebus durch den morgendlichen Verkehrslärm in Paraguays Hauptstadt Asunción quälte, hatte er schon eine Truhenorgel im Gepäckraum und ein Clavichord. Die Besiedlung wurde dünner, die Strassen holpriger, und bei jedem Halt kamen Instrumente dazu: ein Cello hier, Geigen, ein Kontrabass. Bis der Bus voll war mit fröhlichen jungen Menschen auf der gemeinsamen Fahrt ins Nirgendwo.

Die Reise war Auftakt zu einem Experiment: Gemeinsam wollten wir an den folgenden Tagen Musik aufnehmen, die Missionare auch aus der Schweiz vor mehr als 250 Jahren ins Land gebracht hatten. Sie hatten Dörfer für die indigene Bevölkerung gegründet, Kirchen gebaut, Schulen und Instrumente. Musik wurde zu einem zentralen Element in den so genannten Reduktionen: «Diese Indianerknaben sind ausgemachte Musikanten», schwärmte der aus dem Kanton Zug stammende Jesuitenmissionar Martin Schmid (1694–1772). Als Baumeister wurde er berühmt – seine Urwaldkirchen gehören zum UNESCO Welterbe –, er war aber auch begeisterter Musiker, Instrumentenbauer und Komponist.

Gemeinsam mit der Zürcher Stiftung Jesuiten weltweit haben wir uns die Frage gestellt: Wie mag das damals geklungen haben? Und wie können wir heute eine Ahnung davon einfangen? Die Kompositionen selbst sind für sich betrachtet keine Offenbarung – wollten sie auch nie sein. Sondern waren Gebrauchsmusik. Und die lebt erst durch das Temperament der Musiker. Es kommt eben darauf an, was man daraus macht.

Das Nirgendwo hatte einen Namen: Santa Maria de Fe war eine jener Reduktionen, das Missionskreuz steht noch, und die kleine Kirche am bewaldeten Dorfplatz wurde unser Aufnahmeraum. Dass wir keine Fensterscheiben vorfanden, sondern nur Aussparungen in den Wänden, nahmen wir gern in Kauf. Das Vogelgeschnatter in den Bäumen? Nicht zu ändern. Den knatternden Töff-Verkehr immerhin riegelt die örtliche Polizei für uns ab.

Ohne Luis Szaran wäre alles dies nicht denkbar. Das Erbe von Martin Schmid und Kollegen ist sein Lebensthema – genauso wie der Einsatz für eine flächendeckende musikalische Ausbildung gerade für benachteiligte Jugendliche. Dafür hat er «Sonidos de la Tierra» gegründet, und aus diesem vielfach ausgezeichneten Programm stammen die mitwirkenden jungen Künstler, die selbst wieder als Musiklehrer oder Orchestermusiker arbeiten.

Nach vier Tagen ausdauernder Arbeit, Feilen und Feilschen ist die Aufnahme auf den Festplatten. Es ist kein monumentaler Bach und kein filigraner Vivaldi. Sondern das Glück, wenn junge Menschen Musik in Besitz nehmen, die ganz und gar ihnen gehört.

Text: Clemens Prokop

Angebot laufend

Clemens Prokop führt gemeinsam mit seinem Bruder Nick die Agentur «Trust Your Ears» zur dynamischen Inszenierung von Musik-, Kultur- und Sport-events. Die CD «Jungle Baroque» haben sie für ihr Label «klang-logo» produziert.

Angebot laufend

Die CD «Jungle Baroque» ist für

20 Franken (inkl. Versand) erhältlich:
Stiftung Jesuiten weltweit
Hirschengraben 74, 8001 Zürich
044 266 21 30
prokur@jesuiten-weltweit.ch