Editorial

Verzicht, der gut tut

Die Werbung preist gesunde Nahrungsmittel an. Gesundheitsuhren messen meine Herzfrequenz, überwachen meine Schlafphasen und zählen meine Schritte.

Wer sich doch alles um mein Wohlbefinden kümmert: Bücher mit Gesundheits- und Antistress-Tipps schiessen ins Kraut. Wenn ich ihre Regeln befolge – so will man mir weismachen –, gehe es mir gut.

Wirklich? Abgesehen davon, dass sich diese Regeln oft widersprechen und ich nicht immer weiss, wem ich was glauben soll… Derart von aussen gesteuert geht mir auch der Bezug zu mir selbst verloren.

Der beste Ratschlag, den mir ein Arzt vor Jahren gab, lautete: «Sie müssen ihrer Seele mehr Zeit und Raum geben.» Daran denke ich immer, wenn es mir nicht so gut geht. Ich versuche diesen Raum zu schaffen und merke nach und nach, was ich brauche – nicht immer sofort und nicht immer so schnell wirkend, wie ich es mir wünschen würde – dafür nachhaltig! Neue Verhaltensweisen, die ich aus diesem Raum und dieser Freiheit heraus entscheide, kann ich besser umsetzen.

Die Fastenzeit schafft diesen Raum. Es geht nicht ums Befolgen von Regeln, sondern ums Herausfinden: Welches Fasten tut mir gut? Zeitweise offline sein? Zwischenmahlzeiten auslassen? Velo statt Auto? Mir Zeit nehmen für Beziehungen?

Wenn ich mich auf den Mangel konzentriere, auf das, worauf ich verzichte, ist es eine Mühe. Wenn ich mich auf den Freiraum konzentriere, den ich dadurch erhalte, komme ich nicht nur mir selber, sondern auch Gott näher.

Text: Beatrix Ledergerber-Baumer