Meine Sternstunde

Es war das schönste Kompliment…

Max Elmiger, Direktor Caritas Zürich

Ich hörte ihn schon von Weitem fluchen. Der Mann war auf dem Weg zur kontrollierten Drogenabgabe. Und jetzt das: Die Kette seines Velos war aus dem Kranz gesprungen. Seine Hände waren schmutzig. Dabei war er so in Eile. Er beugte sich über den Rahmen des Fahrrades und versuchte, die verklemmte Kette zu lösen. Seine Flüche wurden immer lauter.

Ich bin alles andere als ein technisches Genie, aber von Fahrrädern verstehe ich etwas. «Kann ich Ihnen helfen?», fragte ich. «Die blöde Kette ist verklemmt. Ich bin spät dran», kam es von ihm gereizt und gehetzt.

«Lassen Sie mich mal kurz.» Ich zog am Sattel, um das Hinterrad anzuheben, drückte die Gangschaltung, ein heftiger Tritt auf das Pedal – und schon war die Kette wieder dort, wo sie sein sollte.

«Du geile Siech!», entfuhr es dem Mann. Bis jetzt hatte er mich in seinem Stress nicht angeschaut. Als er meine Kleidung sah, war er sichtlich irritiert. Er schwang sich aufs Rad, fuhr fluchtartig zur Drogenabgabestelle.

Es war das schönste Kompliment, das ich auf meinem Arbeitsweg jemals erhalten habe. Ehrlich, unerwartet und direkt. Meine Stimmung war im Hoch.

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Ein Licht, das mir aufgegangen ist.

Dieses Mal mit…

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Max Elmiger
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