Diakonat für Frauen

Gleiche Logik für alle

Der Seelsorgerat fordert das Diakonat für Frauen. Das ist ein Zeichen – aber noch ein weiter Weg bis zur Veränderung.

Die Forderung des Seelsorgerates des Kantons Zürich wird nicht einmal innerhalb der katholischen Kirche für grosses Aufsehen sorgen. Dafür sind die Schritte hin zu mehr «Gleichermächtigung» in unserer Kirche viel zu überfällig.

Dieser Nachholbedarf ist inzwischen derart gravierend, dass mir auch der innerkatholische Jubel über vorsichtig öffnende Worte des aktuellen Papstes manchmal etwas gar laut erscheint. Die Wertschätzung für Frauen verbal auszudrücken, das ist eine Selbstverständlichkeit und noch kein reformatorischer Akt.

Menschen an der Macht und das längst nicht nur in der katholischen Kirche – verwenden gerne Begriffe wie «Dienst» und «Demut». Ich will nicht ausschlies–sen, dass sie das ernst meinen, sehr häufig dienen diese Begriffe aber auch dazu, den eigenen Machthunger zu verbergen.

Der Seelsorgerat zitiert in seinem Papier diesbezüglich Papst Franziskus: «Ich leide – ich sage die Wahrheit –, wenn ich in der Kirche oder in einigen kirchlichen Organisationen sehe, dass die Rolle des Dienens – die wir alle haben und haben müssen –, dass die Rolle des Dienens der Frau in Richtung einer Rolle des «servidumbre» (Fronarbeit) abgleitet.»

Er hat Recht: Was für unterschiedliche Folgerungen manche Kleriker doch aus dem Dienen ableiten! Wenn sie von sich selbst sprechen, verknüpfen sie damit ganz selbstverständlich einen göttlich gegebenen Führungsanspruch, die Machtkonzentration in der Hierarchie also.

Wenn sie dagegen von Frauen sprechen, verwenden sie den Dienst als Zuschreibung einer Rolle ausserhalb der Hierarchie. Wer in der Hierarchie oben steht, darf sich selbst also das Charisma eines «Dieners» zuschreiben – die Frau dagegen darf, gerade weil sie «Dienerin» ist, dieses Charisma nur ausserhalb der Hierarchie erfüllen. Was für eine verquere Logik!

Das haben auch hohe Kirchenmänner längst erkannt. Kardinal Kurt Koch beispielsweise hat schon vor Jahren angeregt, sich über Frauen im Kardinalsamt ernsthaft Gedanken zu machen. Allerdings dürfte die Zeit für akademische theologische Diskurse längst abgelaufen sein. Wer irgendwann nicht liefert, den nimmt man früher oder später auch beim Denken nicht mehr ernst. Und so wird aus einem vermeintlichen Anstoss zur Veränderung eine fadenscheinige Vertröstung in alle Ewigkeit.

Es gibt allerdings auch Argumente für die Diakoninnenweihe, die mir nicht ganz geheuer sind. Beispielsweise die pastorale Notlage. Wenn die Kirche Frauen weiht, dann soll sie das aus Überzeugung tun und nicht als Mittel gegen Personalmangel.

Auch der Versuch, eine wasserdichte Grundlage in den Evangelien zu finden, halte ich für zu defensiv. Die katholische Kirche hat das Evangelium seit jeher interpretiert – und wie grosszügig sie ihren Spielraum dabei bemisst, zeigt sich bereits in der Apostelgeschichte. Konzile, Kirchenväter, Kirchenrecht, Enzykliken, die gesamte theologische Literatur – das alles wäre völlig unnötig, wenn durch die Evangelien bereits alles klar wäre. Die katholische Kirche selbst legt also permanent Zeugnis für die Strapazierfähigkeit der Evangelien ab.

Ich kann mir Frauen in sämtlichen kirchlichen Ämtern vorstellen. Aber ich mache mir keine Illusionen. Die Kirche würde dadurch nicht automatisch glaubwürdiger. Ich könnte mich über «Emanzen» im Priesteramt genauso ärgern, wie ich es über so manche «Machos» bereits tue. Unsere Hierarchie wäre auch nicht plötzlich weniger anfällig auf Machtmissbrauch, nur weil Frauen daran beteiligt wären. Kurz: Meine eigentliche Herausforderung liegt auch in Zukunft in meinem Christsein, in meinem allgemeinen Priestertum also. Und dazu wurde ich bereits in der Taufe geweiht.

Text: Thomas Binotto

Angebot laufend

In unserer nächsten Ausgabe werden wir das Thema «Frauen in der Kirche» in einem Interview mit Irene Gassmann, Priorin des Klosters Fahr, weiter vertiefen.

Das Positionspapier «Die Kirche braucht Diakoninnen!» des Seelsorgerats der katholischen Kirche im Kanton Zürich steht auf www.zh.kath.ch zur Verfügung.