Mutter-Teresa-Schwestern in Zürich

Kalkutta ist auch in Zürich

Vier Mutter-Teresa-Schwestern kümmern sich rund um die Langstrasse um Menschen in Not.

«Wir haben zwei Hände, um zu dienen, und ein Herz, um zu lieben», sagt die Oberin der kleinen Gemeinschaft, Schwester Maria del Carmine, zu den 15 Religionslehrkräften der freien katholischen Schule Zürich. Sie lernen als Weiterbildung die «Missionarinnen der Nächstenliebe», wie sie offiziell heissen, näher kennen.

Nach einer Einführung zum Leben der Ordensgründerin, der heiligen Mutter Teresa von Kalkutta, erzählt Schwester Maria del Carmine von ihrer Berufung: für die Ärmsten der Armen da sein. Und diese gebe es auch in Zürich. Die Schwestern bereiten täglich Suppe und Sand-wiches zu für Obdachlose, sie besuchen Prostituierte und Drogenabhängige in der Langstrasse. Sie bringen Kleider und Nahrungsmittel zu Flüchtlingsfamilien. Und dann sei da noch die «tiefere Armut», wie sie sagt: die innere Leere, die man gerade im Überfluss der materiellen Dinge verspüren kann. «Wir möchten den Menschen letztlich Gott bringen», sagt die lebhafte spanische Schwester. «Aber durch unser Sein, unser Zuhören, unser Zeugnis».

«Wir sind zuerst kontemplativ und erst dann aktiv», unterstreicht die kleine Frau im weissen Sari, die als Bankangestellte alles hatte und selber die «innere Leere» erlebte, bevor sie sich als Freiwillige und später als Schwester den «Missionarinnen der Nächstenliebe» anschloss. Von fünf bis sechs Uhr früh verweilen die Schwestern im stillen Gebet in der Hauskapelle. Nachher folgt Haushalten, «wir waschen unsere Kleider von Hand», und die heilige Messe. Erst dann gehen sie hinaus zu den Menschen – bis zum Mittagsgebet. Eine Stunde Anbetung schliesst den Tag ab. Viereinhalb Stunden verbringen die Schwestern im Gebet. «Sonst könnten wir das, was wir tun, nicht machen», ist Schwester Maria del Carmine überzeugt.

Die Lehrerinnen und Lehrer möchten wissen, wie die Arbeit der Schwestern mit den Prostituierten und Drogenabhängigen aussieht. «Sie sollen wissen, dass Gott sie liebt und wir bei ihnen sind», sagt Sr. Maria del Carmine schlicht. Wenn Prostituierte aus ihrer Arbeit aussteigen wollen, unterstützen sie die Schwestern oder suchen weitere Hilfe. Drogenabhängige, das ist Sr. Maria del Carmine klar, brauchen professionelle Hilfe. Auch ihnen sind sie nahe, solange sie den Schritt zum Entzug nicht machen können.

Text: Beatrix Ledergerber-Baumer