Nachgefragt

Drei Meinungen zur Diakonninenweihe

«Wenn die katholische Kirche morgen die Diakoninnenweihe einführen würde, würden Sie sich dann weihen lassen?»

Gisela Tschudin leitet als Pfarreibeauftragte die Pfarrei St. Martin in Zürich. Die promovierte Theologin ist Mitglied des Stiftungsrats der Paulus-Akademie

«Eigentlich würde ich mich sehr gerne weihen lassen. Seit 22 Jahren arbeite ich mit Freude und Herzblut für die Kirche. Ich fühle mich dazu berufen und hätte für die anspruchsvollen Aufgaben gern den Beistand des Heiligen Geistes, den das Weihesakrament zusagt. Ich leide darunter, dass ein Arbeiten in der Kirche ohne Weihe gar nicht vorgesehen ist.

Als geweihte Diakonin könnte ich Paare trauen und – noch wichtiger – legal in der Eucharistiefeier predigen. Die Weihe zur Diakonin wäre ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu Priesterinnen. Sie würde all denen Mut machen, die darunter leiden, dass die Kirche Frauen nicht dieselben Rechte einräumt wie Männern.

Doch es gibt ein Aber: Laut dem Kirchenrecht müssen die Kandidaten für die Diakonatsweihe versprechen, sich für immer dem kirchlichen Dienst zu widmen. Ich kann mir leider Umstände vorstellen, unter denen ich den Dienst quittieren wollte. Wegen dieser ewigen Verpflichtung könnte ich daher spontan doch nicht um die Zulassung zur Weihe bitten.»

Amanda Ehrler engagiert sich als pensionierte Seelsorgerin ehrenamtlich in der Kirche. Sie ist Mitglied im kantonalen Seelsorgerat.

«Nein, sicher nicht in der bei uns aktuell praktizierten Form. Und, sorry, nicht am Ende meines Einsatzes im kirchlichen Dienst. In Dankbarkeit Gott und vielen Menschen gegenüber empfand und empfinde ich mein kirchliches Engagement als diakonisch-priesterlichen Dienst. Weil das Kirchenrecht es so will, ohne Weihe.

Doch Gottes Gnade lässt sich weder einsperren noch vereinnahmen, schon gar nicht durch hierarchische Macht-strukturen. Irgendwann, vielleicht schon bald, gehen wir Frauen und Männer in gleichem Wert und gleicher Würde für IHN, der unerkannt mitten unter uns ist. Im «unterwegs als Volk Gottes» als Mann und Frau gilt es, in gegenseitiger Wertschätzung das verbindende UND zu entdecken.

Tun wir, wozu unsere Gottes-, Menschen- und Schöpfungsverbundenheit uns bewegt. Wie das Beispiel von Hildegard von Bingen und andern zeigt, braucht die Kirchenleitung Jahrhunderte, bis sie Werte erkennt und anerkennt, die offensichtlich sind. Vertrödeln wir die Zeit nicht mit Warten. Tun wir, was zu tun ist.»

Zita Haselbach war 20 Jahre lang Gemeindeleiterin der Pfarrei St. Ulrich in Winterthur. Seit ihrer Pensionierung ist sie als Altersheimseelsorgerin tätig.

Schon lange wünschte ich mir, die Diakoninnenweihe würde wieder (!) eingeführt. Aber jetzt für mich mit 68 Jahren? Ich denke nicht, dass ich viel anders leben würde, noch dass ich die Leitungsaufgabe, die mir 20 Jahre in einer Pfarrei anvertraut war, anders angepackt hätte. Doch vieles wäre leichter und freudvoller gewesen!

Habe ich nicht Gaben mit ins Leben bekommen, die Zeichen der Berufung zur Diakonin sein könnten? Ich lebe jetzt schon als Diakonin, in der Freiwilligenarbeit an der Seite der Flüchtlinge und in der Seelsorge im Alterszentrum.

Würde die Kirche durch die Diakoninnenweihe zeigen wollen, dass sie diese Aufgaben als wesentlichen Teil ihres Auftrages betrachtet, so würde ich mich auch heute noch weihen lassen.

Ein Diakonat, das sich in liturgischen Funktionen erschöpfte, wäre für mich jedoch keine Option. Die Frage nach der Priesterweihe der Frau dürfte damit auch nicht vom Tisch geschoben werden. Gerne würde ich mich mit andern Frauen heute schon austauschen, wie dieses Amt auf frauliche Art gelebt werden kann!