Was tun Kirchenpflegen?

Kirche mitgestalten

Im Frühling stehen Kirchenpflege-Wahlen an. Was tun Kirchenpflegen? Was gefällt ihnen, wo wird es schwierig?  Drei engagierte Personen geben Auskunft.


Kirchenpflegen schaffen die Voraussetzungen für die Entfaltung des kirchlichen Lebens: Sie verwalten die Kirchensteuergelder und stellen in Absprache mit dem Pfarrer oder dem Gemeindeleiter Personal an. Nebst dem Präsidenten bzw. der Präsidentin sind in jeder Kirchenpflege mindestens die Ressorts Aktuariat, Finanzen, Liegenschaften und Personelles zu besetzen. Im Frühling 2018 werden auch die Rechnungsprüfungskommissionen (RPK) mit mindestens drei Mitgliedern gewählt. Kirchenpflege- und RPK-Mitglieder erhalten je nach Kirchgemeinde unterschiedliche Entschädigungen und Sitzungsgelder. Die Amtsdauer beträgt vier Jahre.

«Mich fasziniert alles an dieser Aufgabe.»

Die grösste Herausforderung bisher als Kirchenpflege-Präsidentin war für mich der Schwelbrand, der letzte Weihnachten ausgebrochen ist. Die ganze Kirche war schwarz, es hat im Herzen richtig weh getan. Wir mussten alles reinigen lassen, renovieren, die Orgel auseinandernehmen und putzen… zum Glück ist unser Ressortleiter Liegenschaften pensioniert, er war jeden Tag vor Ort. Auch ich war zeitlich sehr gefordert. Doch mit einem guten Team ist alles zu bewältigen.

Mich fasziniert alles an dieser Aufgabe. Wer kann schon einen Organisten oder eine Sakristanin interviewen, wenn eine entsprechende Stelle neu besetzt werden muss? Man lernt total neue Berufsfelder kennen. Ich habe das KV gemacht, habe zwei Jungs und arbeite 100 Prozent, heute als Assistentin des Chefs. Er nimmt mich aber mehr als Partnerin wahr, und diese Kompetenz und Sicherheit im Beruf kommt auch von der positiven Erfahrung in der Kirchenpflege. 100 Prozent arbeiten und ehrenamtlich tätig sein, fordert sehr, aber man lernt, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren. Ich finde, jedermann sollte ein bisschen seiner Zeit anderen schenken, nur so kann eine gesunde Gesellschaft funktionieren.

Bei Konflikten kann das Amt schon auch hart sein und manchmal fühlt man sich allein. Doch jeder Erfolg macht mich glücklich und zufrieden. Auch ist es schwierig, neue Mitglieder für die Kirchenpflege zu finden. Ich selber wurde noch als Italienerin gewählt, zum Glück können auch Ausländer und Ausländerinnen in dieser Behörde mitmachen! In der Missione Cattolica habe ich eine Gemeinschaft erlebt, wo man sich für die Kirche einsetzt. Heute bin ich Schweizerin, ich bin auch hier aufgewachsen. Es freut mich, dass ich als Kirchenpflege-Präsidentin von den Pfarreiangehörigen wie auch vom Seelsorge-Team und unserem Gemeindeleiter, einem verheirateten Diakon, gut akzeptiert und unterstützt werde. Das gegenseitige Vertrauen und ein authentisches Auftreten sind ganz wichtig für eine gute Zusammenarbeit. 

Anna-Maria Vegliante-Greco Kirchgemeinde Affoltern am Albis (fünf politische Gemeinden, zwei Kirchen: St. Josef Affoltern und St. Antonius Obfelden, 6660 Katholiken).

www.kath-affoltern.ch

Anna-Maria Vegliante-Greco, Kirchgemeinde Affoltern am Albis

Anna-Maria Vegliante-Greco, Kirchgemeinde Affoltern am Albis Foto: Beatrix Ledergerber-Baumer

Lukas Tschopp, Kirchenpflegepräsident Guthirt Zürich

Lukas Tschopp, Kirchenpflegepräsident Guthirt Zürich Foto: Christoph Wider

Anna Maria Caldarulo, Kirchenpflege-Präsidentin Herz Jesu Thurbenthal

Anna Maria Caldarulo, Kirchenpflege-Präsidentin Herz Jesu Thurbenthal Foto: Beatrix Ledergerber-Baumer

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«Manchmal gibt es schon Momente, wo ich mich frage, wieso ich das mache.»

Als Kirchenpflege-Präsident habe ich bei Kirchgemeindeversammlungen den besten Platz und kann dabei auch einmal einen Spruch machen, das gefällt mir! Spass beiseite: der Kontakt zu den Menschen in der Kirchgemeinde, zu den Angestellten und zum Kirchenpflege-Team ist sehr bereichernd.

Manchmal gibt es schon Momente, wo ich mich frage, wieso ich das mache. Wenn Angestellte trotz Top-Arbeitsbedingungen jede Minute aufschreiben, kompensieren und bezahlt haben wollen, während wir als Freiwillige weder für unsere Überzeit bezahlt werden noch PK-Gelder erhalten …

Konfliktpotential gibt es dort, wo es zwischen dem innerkirchlichen (Seelsorgeteam) und dem staatskirchlichen Bereich (Kirchenpflege) keine klare Trennung bezüglich Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortung gibt. Je nachdem will keiner oder wollen beide das Sagen haben. Wir Kirchenpflegen sollen die Verwaltungsaufgaben ohne Wenn und Aber übernehmen … wo es vielleicht besser wäre, wenn wir auch unsere Meinung einbringen und im Dialog eine allgemein verträgliche Lösung suchen könnten.

So empfinde ich es als kritisch, dass Pfarrer oder Gemeindeleitende Kraft ihres Amtes am Tag nach ihrer Wahl als Fachexperten und Entscheidungsträger in Finanzen, Verwaltung oder HR erwachen sollten – oft ohne Abschluss, Erfahrung, Berufung. Denn Letztere liegt in der Seelsorge …

Andererseits ist es sonnenklar, dass sich die Kirchenpflege aus dem kirchlich-seelsorgerischen Bereich rauszuhalten hat. Dass dies gut so ist, wissen wir spätestens seit der Zeit der Renaissancepäpste. Wie wäre es, wenn nun der Nuntius ebensolche Einsicht hätte und sich auf seine Kernkompetenzen fokussieren würde?

Ich arbeite als Teilzeit-Sekundarlehrer, sonst könnte ich dieses Amt nicht ausüben. Da ich seit dem Kindesalter in der Pfarrei ein- und ausgehe, habe ich eine lebenslange Beziehung zu unserer Kirchgemeinde und den Menschen, mit denen ich jedes Jahr gemeinsam etwas älter werden darf. Hauptsächlich möchte ich für das, was ich von der Pfarrei lange Zeit erhalten habe, etwas zurückgeben. Ich finde es wichtig, dass wir den Zusammenhalt innerhalb der Gemeinde beibehalten und so vielen Menschen etwas Heimat geben können. Ohne Nachwuchs fällt auch das grösste Haus einmal in sich zusammen und wird zur Ruine.

Lukas Tschopp, Kirchenpflegepräsident Guthirt Zürich (Quartier in der Stadt Zürich, 4500 Katholiken).

www.guthirt.ch

«Als Präsidentin musst du verschiedene Charaktere zusammenbringen.»

Ich wurde direkt als Präsidentin für die Kirchenpflege angefragt und habe vor acht Jahren dieses Amt angetreten. Da ich vorher bereits in der Schulpflege war und in der Kirchenpflege einen sehr guten Vorgänger hatte, war dieser «steile Einstieg» möglich. Ein Dauerziel von mir ist, die Sitzungen möglichst kurz und effizient zu führen, aber trotzdem genug Zeit und Raum fürs Zwischenmenschliche zu lassen. Die grösste Herausforderung in meiner bisherigen Tätigkeit war die Kündigung vom langjährigen Pfarrer nach nur einem Amtsjahr. Es gab ja sehr viel zu beachten, wie die Aufstellung der Pfarrwahlkommission, Kommunikation nach aussen, etc. Wir wählen zwar den neuen Pfarrer, aber er wird uns vom Generalvikar vorgeschlagen. Wir haben dann eine Begleitgruppe für den neuen indischen Priester ins Leben gerufen, damit er sich gut einlebt und die hiesigen Gegebenheiten kennenlernt. Das hat viel geholfen und alle haben den Pfarrer liebgewonnen. Leider wurde er letztes Jahr von seinem Orden zurückgerufen und wir mussten in Absprache mit dem Generalvikar schnell eine neue Lösung finden. Nun haben wir einen deutschen Pfarrer mit kongolesischen Wurzeln, der ab 1.  August bei uns beginnt.

Als Präsidentin musst du die verschiedenen Charaktere in der Kirchenpflege zusammenbringen und sehen, dass jeder seine Kompetenzen einbringen kann. Die Erfahrung aus der Missione Cattolica, wo ich gelernt habe, was Gemeinschaft bedeutet, kommt mir im Umgang mit den Pfarreiangehörigen zugute.

Beruflich bin ich zu 100 Prozent als Key Account Manager in der Chemie-Industrie tätig und habe auch Familie. Die 10 bis 20 Prozent Kirchenpflege-Arbeit mache ich in der Freizeit. Zum Glück haben wir keinen Knatsch in der Kirchenpflege, dank unserm tollen Team ist die Arbeit gut zu schaffen. Wir haben während meiner ersten Amtsperiode für jedes Ressort Pflichtenhefte erstellt, das Archiv ist nach den neuen Richtlinien auf Kurs, nun hoffen wir, drei gute neue Mitglieder zu finden. Wir machen dazu eine Infoveranstaltung am 27. März. Selber trete ich gerne nochmals an für diese spannende Aufgabe.

Anna Maria Caldarulo, Kirchenpflege-Präsidentin Herz Jesu Thurbenthal (drei politische Gemeinden: Turbenthal, Wila und Wildberg. Ca. 1600 Katholiken).

www.herzjesu-turbenthal.ch

Text: Aufgezeichnet von Beatrix Ledergerber-Baumer

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