Glaube & Wissenschaft

Guarino Guarini

Der Italiener Guarino Guarini gehörte einem Orden der Gegenreformation an. Vor allem aber war er Mathematiker und bedeutender Architekt des Spätbarocks.

Guarino Guarini wird 1624 im italienischen Fürstentum Modena geboren. Mit 15 Jahren tritt er dem Theatinerorden bei, der neben den Jesuiten wichtigsten Ordensgründung der Gegenreformation. Wie bei den Theatinern üblich, studiert er Philosophie und Theologie, aber auch Mathematik und Architektur. Nach der Priesterweihe steigt er im Orden in Modena schnell auf, wird Kirchenbaumeister, Philosophiedozent und Ordensoberer – dies aber gegen den Willen des Fürsten von Modena, so dass er Amt und Stadt 1656 verlassen muss. In den folgenden «Wander»-Jahren ist er in Sizilien, Portugal und Paris als Architekt tätig.

1666 lässt sich Guarini als Hausarchitekt der Savoyer in Turin nieder. Zu seinen Hauptwerken gehören dort die Kapelle des Turiner Grabtuchs und die Kirche San Lorenzo.

In seinen wegweisenden Lehrschriften zu darstellender Geometrie und Architekturtheorie vertritt Guarini die Maxime «Architektur hängt von der Mathematik ab». Er verbindet geometrische Durchdringung, orientalische Ornamentik und gotische Stringenz und führt als einer der wenigen die architektonische Raumgestaltung Borrominis weiter. Seine sich durch die Lichtführung vertikal öffnenden und nur von ihm erreichten Raumstimmungen bilden eine unübertroffene Spitze des italienischen Spätbarocks, als dessen Hauptmeister Guarini gilt.

Text: Tobias Grimbacher

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Lesetipp

Maria Anderegg-Tille: Die Schule Guarinis, 1962. (Gratis-Download unter www.research-collection.ethz.ch)

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Tobias Grimbacher,Naturwissenschaftler und Autor, porträtiert in loser Folge Menschen, die beides zugleich waren: Naturforscher und Theologen.