Liturgische Farben

«Weiss»

In der Liturgie entspricht die Farbe Weiss ihrer Natur: Sie ist nicht die Abwesenheit, sondern die Summe aller Farben.

Keine Farbe. Mehr als Farbe. Farbe puren Lichts. Farbkraft zwischen Himmel und Erde. – Die Welt ist bunt. Wenn ein Künstler wie Robert Ryman sich sein Leben lang – eine wichtige Kollektion seiner Werke befindet sich in Schaffhausen – ausschliesslich mit Weiss beschäftigt, dann kann einem beim Eintauchen in seine Bilder etwas Besonderes widerfahren: Heraustretend aus der Buntheit geschieht Sammlung, Konzentration. Ein Kritiker schrieb: Kein Geschrei der Farben soll vom Wesentlichen ablenken.

Das Weiss liegt also quer zum bunten Farbenraum der Welt, es überschreitet sie: Es zeigt ein «jenseits» der Welt an. Richtig eingesetzt im Reigen der Buntheit entwickelt es eine beinahe aggressive optische Kraft. So haben Künstler damit den Einbruch des Himmels in die Wirklichkeit ausgedrückt. Dabei knüpften sie an die Bibel an: In der Johannes-offenbarung tragen die Teilnehmer an der himmlischen Liturgie, die aus der grossen Drangsal kommen, weisse Gewänder und bei der Verklärung Jesu wurden (nach Markus) seine Gewänder so weiss, wie kein irdischer Walker sie machen kann. Wo uns in der Feier der grossen Feste besonders deutlich wird, dass uns darin schon ein österlicher Anteil am Leben des Himmels geschenkt ist, wählt die Kirche als liturgische Farbe Weiss.

Quelle: www.liturgie.ch

Farbenspiel «Weiss»

Farbenspiel «Rot»

Farbenspiel «Violett»

Farbenspiel «Grün»

Text: Martin Brüske, Liturgisches Institut Freiburg i.Ue.