Stolpersteine: Gottesbild

Immer frisch – immer neu

Am Gottesbild hängt alles – auf ihm steht alles. Deshalb muss dieses Bild, das niemals Gott selbst sein kann, immer wieder neu in die jeweilige Zeit hinein entdeckt werden.

Es gibt in der katholischen Kirche Frauen und Männer, die auf ein 3. Vatikanisches Konzil hoffen. Sie finden, es sei höchste Zeit, dass es offizielle Modernisierungen gibt, bevor der Glaube verloren geht. Andere fürchten ein zu frühes Konzil, da die Weltkirche nicht umgedacht hat und konservative Werte schriftlich zementieren würde.
Ich kann das nicht einschätzen. Aber bei den Inhalten habe ich eine klare Priorität. Natürlich drängen sich bekannte ungelöste Themen auf: Freiwilliger Zölibat, Priesterinnenweihe, ökumenische Mahlgemeinschaft, demokratische Ämterbesetzung… und so weiter.

Doch für mich sind das mögliche «Gebäudeteile», die auf einem neu durchdachten und durchgebeteten Gottesbild als Fundament entstehen können. Alles hängt davon ab, wie wir von Gott sprechen.
Ich kann die Skepsis moderner Menschen gegenüber jahrhundertealten Formulierungen gut verstehen. Ein allmächtiger unveränderlicher Gott, der alles weiss und beurteilt, ist auch biblisch betrachtet ein einseitiges Bild. Zu wenig kommen in den Lehrmeinungen die Kreativität und das Geheimnis Gottes oder seine Ohnmacht in Jesus vor.

Die Kirche steht heute vor der Aufgabe, Gottesbilder zu denken, die den Erfahrungen standhalten: Dem unermesslichen Leid, den neuen Erkenntnissen der Quantenphysik und der Hirnforschung, den Varianten sexuellen Empfindens, den Gefahren der künstlichen Intelligenz und vieles mehr. Das ist sehr herausfordernd, aber nicht unmöglich. In der Theologie gibt es viele Vordenker, die uns inspirieren können. Schon Augustinus erwähnte die negative Theologie, also dass wir über Gott nur aussagen können, was er nicht ist.

Dann gibt es die neue Prozesstheologie, die auch Gott als im Werden begriffen und flexibel ansieht. Und da ist der Panentheismus Teilhard de Chardins, der Gott zwar nicht als Teil der Schöpfung glaubt, aber diese in Gott innewohnend ansieht.
Es gibt kluge und hilfreiche Denkansätze, die aber leider ihren Weg in die Lehre der Weltkirche, in die Pfarreien und zu den Kirchenfernen noch kaum gefunden haben.

Gott selbst ist immer frisch und neu. Wir können Gottesbilder denken, die ihn auch in Zukunft zum tragenden Grund für die Menschen machen.

Text: Michaele Madu, Pastoralassistentin, Pfarrei Bruder Klaus, Volketswil