Schlusstakt

Ein lebensnahes Papstschreiben

Jeder Christ ist zur Heiligkeit berufen. Dabei geht es nicht um grosse Taten, sondern um die kleinen Schritte im alltäglichen Leben. Dazu ermutigt Papst Franziskus mit seinem neuen Schreiben «Gaudete et exsultate», sagt der Wiener Kardinal Christoph Schönborn.

Der Wiener Erzbischof nannte das päpstliche Schreiben eine Art «Handbüchlein, wie es immer wieder geistliche Lehrer verfasst haben; sehr praktisch, lebensnah und praktikabel.» Es handle sich um keine grosse theologische Abhandlung, wiewohl es auf einem «soliden theologischen Fundament» beruhe. Jedermann könne und solle sich damit auf den Weg zur täglichen Heiligkeit machen. Das neue Schreiben würde die bisherigen drei päpstlichen Schreiben («Evangelii gaudium», «Laudato si'» und «Amoris laetitia») ergänzen. Es sei quasi der «Brennstoff», damit das Engagement der Christen für das Evangelium, die Umwelt und die Familie kraftvoll bleibt.

Ausdrücklich unterstrich Schönborn die von Papst Franziskus angeführten Gefahren eines elitären «Leistungschristentums», das Gott als Buchhalter der menschlichen Leistungen sieht und in dem die meisten Menschen keinen Platz hätten, das aber gar nicht dem Christentum entspricht. Zur Frage, ob das Schreiben auch als Kritik des Papstes an Kräften innerhalb der Kirche zu verstehen sei, die mit seinem Kurs nicht einverstanden sind, meinte Schönborn: «Dieses Schreiben dient sicher auch der Gewissenserforschung. Jeder kann sich fragen, ob der Papst damit auch mich meint.» Eines sei für Papst Franziskus jedenfalls ganz wesentlich: Ohne den in der Bergpredigt genannten Einsatz für Hungrige, Durstige, Fremde, Mittellose oder Kranke könne es keine Heiligkeit geben. Schliesslich sei das «Christentum gemacht, um gelebt zu werden».

Einprägsam seien die vielen starken Bilder und Worte, die Papst Franziskus verwendet. Wenn er etwa vor der Gefahr digitaler Oberflächlichkeiten warnt und wörtlich vom «Faktor der Verblödung» spricht. An anderer Stelle wiederum übt er heftige Kritik an «geistlicher Korruption».

Das kirchliche Verfahren der Heiligsprechung werde vom Papst hingegen nicht angesprochen. Thema sei nicht, «wie man heiliggesprochen wird», sondern er thematisiere eben die Berufung jedes Christen zur Heiligkeit.

Papst Franziskus knüpfe damit unter anderem auch bei Papst Benedikt XVI. an, so Schönborn. Dieser hatte einst eine grosse Katechesenreihe über bedeutende Heilige in der Kirche gehalten. Seine abschliessende Katechese war schliesslich den vielen unbekannten Heiligen gewidmet, denn: «Das breit Tragende in der Kirche und in der Welt ist die täglich gelebte einfache Heiligkeit.»

Text: kath.ch