Theaterprojekt

Kloten zeigt sich

Hundert Menschen stehen bei «Kloten packt aus» auf der Bühne. Sie zeigen: Kirche und Stadt engagieren sich gemeinsam. Das hat Tradition.

Kloten hat Grosses vor. Ein Theaterspektakel bringt hundert Personen aus 31 Nationen, die alle in Kloten zuhause sind, auf die Bühne. Sie spielen nicht irgendeine Geschichte, sondern sich selber. «Die Schauspielerinnen und Schauspieler erzählen aus ihrem Leben und nehmen Stellung zu Fragen, von politisch bis augenzwinkernd, tiefgründig bis lustig…», erklärt Nathalie Fullin, Co-Produktionsleiterin und Jugendarbeiterin der katholischen Pfarrei Christkönig Kloten. Co-Produktionsleiter Jean-Luc Kühnis von der städtischen «Drehscheibe Bevölkerung AKKU» ergänzt: «Mit dabei sind beispielsweise Asylbewerber, Haustechniker, Ärztin, Unternehmer; Flight Attendant und ein ehemaliger Eismeister – aus allen Berufen und Kulturen.»

Die Probe beginnt. Mit Koffern und Rucksäcken aller Art stehen Grosse und Kleine, Junge und Ältere noch etwas verloren in der grossen Turnhalle. Von einem erhöhten Laufsteg aus gibt Regisseurin Janina Offner erste Anweisungen. Welche Geschichten wohl aus den Koffern ausgepackt sich auf dem Laufsteg zeigen werden? 

forum: Wie kommt es, dass die katholische Pfarrei in diesem grossen Projekt
in der Flughafenstadt federführend engagiert ist?
Nathalie Fullin:
Vernetzung mit der Stadt Kloten und mit meinen reformierten Kollegen ist Teil meines Pflichtenheftes. Als Kirche wollen wir nicht nur für «unsere Schäfchen» etwas bieten. Die Pfarrei sieht es als ihren Auftrag an, etwas zum gesellschaftlichen Leben in Kloten beizutragen, auch für die ganze Stadt da zu sein. Nur so ist jetzt dieses «Kloten packt aus»-Projekt möglich, denn ich kann meine Arbeitszeit flexibel einteilen – nebst sehr viel freiwilligem Engagement, das wir – auch Jean-Luc – da auch reinstecken (lacht).
Jean-Luc Kühnis: Genau! In Kloten ist die vernetzte Zusammenarbeit etabliert. Obwohl wir eine Stadt mit 20 000 Einwohnern sind, funktioniert es immer noch wie ein Dorf. Man ist froh, wenn man sich austauschen, verschiedene Kompetenzen und Ressourcen zusammennehmen und so etwas organisieren kann. Von meiner Stelle her habe ich den Auftrag, alle zu beflügeln, zu stärken, zu stützen, die mit Freiwilligen arbeiten.

Die Stadt hat keine Berührungsängste mit den Kirchen?
Kühnis:
Nun, ich bin selber in der Pfarrei Christkönig aufgewachsen und war eine Zeitlang dort als Jugendarbeiter tätig. So habe ich natürlich keine Berührungsängste. Aber klar: es braucht den Auftrag und den Rückhalt von der Stadt. Und den habe ich: meine Stelle ist explizit dazu da, sich mit allen Akteuren, die gesellschaftlich aktiv sind, zu vernetzen. Es ist eben ein Gewinn, wenn die Kirchen nicht nur Geld sprechen für Projekte, sondern mit anpacken, mitdenken, Ideen einbringen. Das schätzt auch die Stadt.

Dann läuft die Zusammenarbeit immer reibungslos?
Fullin:
In Kloten gehören die Kirchen dazu, da gibt es keine Trennung zwischen Stadt und Kirche. Beide arbeiten wir mit Menschen und wo es sinnvoll ist, arbeiten wir zusammen, das ist hier Tradition.
Kühnis: Selbstverständlich gibt es auch hier Leute, die sagen, da ist aber mein Garten, da möchte ich keinen andern drin. Deshalb versuchen wir zu zeigen, dass wir das Gemeinsame fördern, ohne dass man die eigenen Wurzeln oder die eigene Identität verlieren müsste. Man muss aber auch nicht alles zusammen machen, manchmal geht das einfach nicht. Bei «Kloten packt aus» ist z. B. die reformierte Kirche nicht dabei. Schlussendlich haben aber alle in dieser Stadt ähnliche Herausforderungen.

Zum Beispiel die Schwierigkeit, Freiwillige zu finden?
Kühnis:
Ja, gutes Beispiel…

Da könnte man sagen: die wenigen Freiwilligen brauchen wir für eigene Anlässe…
Fullin
: Nein, es sind nicht die gleichen Leute. Wir haben viele Freiwillige, die bei Pfarrei-Anlässen mithelfen. Nur einige von diesen machen bei «Kloten packt aus» mit. Dieses Projekt spricht andere Leute an. Das ist genau die Chance: hier steigen neue Leute ein, mit denen sich Kontakte ergeben und die so ein neues, positives Bild der Kirche gewinnen.

Was machen die Kirchen und die Stadt sonst noch zusammen?
Fullin:
Jedes Jahr organisieren wir gemeinsam den UNO-Tag der Freiwilligen und ein Begegnungsfest. Jeden Samstagabend organisieren die Stadt, die reformierte und die katholische Kirche abwechselnd das «midnight sports» für Jugendliche, und in der Seniorenarbeit machen wir ganz viel zusammen – ebenso im Asylbereich und für Arbeitslose.
Kühnis: Die Zusammenarbeit muss man aber pflegen und fördern. Es gibt immer wieder Behörden, die sich fragen, ob dieses oder jenes wirklich ihre Aufgabe sei. Beim Begegnungsfest gab es schon Stimmen, die meinten, das könnte die Stadt auch alleine machen. Aber es ist eben ein grundlegender Unterschied, ob jemand nur als Geldgeber ein Projekt mitträgt oder wie beim Begegnungsfest abwechselnd auch Gastgeber ist. Da fliesst viel mehr Herzblut ein, da öffnet man die eigenen Räume, der eigene Hauswart ist engagiert, die eigenen Freiwilligen sind für alle da. Das darf nicht verloren gehen.

Zurück in der Turnhalle. Nach der Probe wollen die hundert Leute verpflegt werden. «Diese Zahl Hundert war und ist schon immer wieder eine Herausforderung», lacht Nathalie Fullin. Sie war fürs Casting mitverantwortlich und hat mitgefiebert, ob genug Leute gefunden werden. «Da hatten sich schon hundert angemeldet, und fünf melden sich wieder ab…», erinnert sie sich. «Und hundert Leuten erklären, wo sie genau hinstehen müssen, ist für die Regie schon aufwändiger, als wenn man fünf Schauspielerinnen und Schauspieler anleitet», lacht Jean-Luc Kühnis. «Auch bei den Probe-Terminen war es ein Aushandeln und Kompromisse finden», sagt er. Die Regie hätte gerne öfter geprobt, aber es musste für alle hundert Leute machbar sein.

Nun stehen bald die Aufführungen bevor. «Eine gute Zusammenarbeit ist nie selbstverständlich», ist das Fazit von Jean-Luc Kühnis. «Man muss sich immer wieder neu hineingeben. Es braucht solche Projekte wie ‹Kloten packt aus›. Gemeinsame Erlebnisse, auch mal intensivere Zeiten wie jetzt.» Und Nathalie Fullin ergänzt: «Dieses Projekt will alle grossen Klotener Institutionen zusammenbringen und zeigen, wer den Menschen nahe ist, und dass wir miteinander etwas Wundervolles auspacken können!»

Text: Beatrix Ledergerber-Baumer

Angebot laufend

Aufführungen:
Sa, 19./So, 20./Do, 24./Fr, 25./Sa, 26. Mai., 19.30 Uhr, Stadtsaal Schluefweg Kloten.
Jugendliche, KulturLegi und AHV/IV: Fr. 17.–, Erwachsene: Fr. 27.–, Gönnerticket: Fr. 40.–

www.kloten-packt-aus.ch

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